US-Gericht hebt Strafzahlung der Zeugen Jehovas wieder auf

Im Januar 2020 urteilte ein Gericht in Montana (USA), dass Kirchenvertreter*innen Fälle von sexualisierter Gewalt nicht bei Behörden anzeigen müssen. Der Montana Supreme Court hob damit einstimmig ein Urteil gegen die Zeugen Jehovas wieder auf, das die Gemeinde 2018 zu einer Strafzahlung von 35 Millionen US-Dollar verurteilt hatte.

Laut Nachrichtenagentur Associated Press (AP) gilt in Montana eigentlich die Regelung, dass Amtsträger*innen sexualisierte Gewalt gegen Kinder auch im Verdachtsfall schon offziell anzeigen müssen. Trotzdem urteile der Montana Supreme Court, dass dies für Kirchenvertreter*innen nicht gelte, wenn die betroffenen Gemeindemitglieder die Schweigepflicht der Kirchenvertreter*innen nicht ausdrücklich aufheben.

Das Urteil bezieht sich auf ein Gerichtsverfahren aus dem Jahr 2018, bei dem einer Frau Entschädigung zugesprochen war, die Mitte der 2000er Jahre von einem Gemeindemitglied der Zeugen Jehovas in Thompson Falls sexuell misshandelt worden war. Die Zeugen Jehovas hatten den Mann, der der Frau Gewalt angetan hat, 2004 aus ihrer Gemeinde ausgeschlossen und 2005 wieder aufgenommen, obwohl er weiterhin gegen ein jüngeres Kind übergriffig war. In dem auf die Anzeige der Frau folgenden Gerichtsverfahren waren die Zeugen Jehovas zu 35 Millionen US-Dollar Strafzahlung verurteilt worden, weil sie den Fall nur intern behandelt, aber nicht bei der Polizei angezeigt hatten. Diese Strafzahlung wurde nun vom Montana Supreme Court aufgehoben.

Der Montana-Fall ist laut AP einer von Dutzenden aus den vergangenen 10 Jahren in den USA, die sich gegen die Zeugen Jehovas und Fälle sexueller Gewalt in ihren Gemeinden richten.

Über den hinter dieser Urteilsaufhebung liegenden Fall gabe es eine breite US-amerikanische (also englischsprachige) Berichterstattung. Wenn Sie mehr dazu lesen möchten, suchen Sie nach „Jehova’s Witnesses 35 Million Montana“.

Quellen:
[1] Der Artikel von Assciated Press wurde z.B. von der Huffington Post am 8.1.2020 in der Online-Ausgabe veröffentlicht (Englisch).