„Kinderporno“-Ringe gesprengt – eine Chronologie

[Zuletzt aktualisiert: Im Mai 2020 mit der Ermittlung „Welcome to video“, die im Oktober 2019 bekannt gegeben wurde, und mit dem Nachtrag der Ermittlungen im Fall „Bergisch-Gladbach“]

Regelmäßig lesen wir in der Tagespresse Erfolgsmeldungen darüber, dass Ermittlungsbehörden ganze Ringe von Internet-Händlern und -Kunden entdeckt haben, die Gewaltdarstellungen von Kindesmisshandlungen und Pädokriminalität verbreiten.

Die Zahlen der Polizei über beteiligte Täter, Opfer, und von gefundenen Bild- und Videodateien sind meist in einer Größenordnung, dass die Dimensionen schwer zu fassen sind. Deshalb tragen wir hier eine Chronologie zu diesem Thema zusammen. [Anmerkung der Redaktion: Die Erkenntnisse verändern sich laufend. Wenn Sie Updates zu diesen Polizeiaktionen finden oder von Ermittlungserfolgen wissen, die wir hier noch nicht aufgelistet haben, weisen Sie uns gerne darauf hin.]

Es gibt übrigens eine kanadische Software, „Arachnid“, die das Internet auch nach nachträglich veränderten Bildern von misshandelten Kindern absuchen kann und die Ermittler darauf aufmerksam macht, wo entsprechende Webseiten sind. Ein englischsprachiges Video dazu finden Sie auf youtube.

(Warum wir in der Überschrift das Wort „Kinderporno“ verwenden, obwohl wir es eigentlich meiden wollen, erklären wir hier.)

2019, Oktober, Bergisch Gladbach. Staatsanwaltschaft und Polizei in Köln berichten von einer über das Internet und Chatgruppen vernetzten Gruppe von Täter.innen und Tätern, die in besonders großem Umfang und mit besonderer Brutalität Kinder misshandelt haben. Der Behördenleiter berichtete in einer Pressekonferenz im Oktober 2019, allein auf einem der beschlagnahmten Handys seien 469 Chats mit 113.000 Chatnachrichten aufgezeichnet sowie mehr als 130.000 Bilder und über 1.300 Videos gespeichert gewesen. Bis zu 1.800 Mitglieder hätten die Chatgruppen teilweise gehabt. Sechs Verdächtige seien festgenommen worden, acht Kinder identifiziert. (Quelle: Artikel in der Neuen Westfälischen vom 7.11.2019, „Neuer Fall von Kindesmissbrauch in NRW: Ermittlungen massiv ausgeweitet“, abgerufen am 12.5.2020) In den darauf folgenden Wochen und Monaten stieg die Zahl der Verhafteten, der gefundenen Datenträger und der beteiligten Menschen weiter an. Im Dezember 2019 zum Beispiel wurden 3300 Datenträger,  31 identifizierte Beschuldigte und Verbindungen ins Ausland gemeldet. (Quelle: Artikel auf ntv.de, „3300 Datenträger sichergestellt“, abgerufen am 12.5.2020). Inzwischen wurden die ersten Prozesse gegen Täter eröffnet und geführt. Sollten Sie sich für diese Ermittlungen interessieren, suchen Sie bitte mit dem Suchbegriff „Bergisch Gladbach“ selbst im Internet nach den aktuellsten Fundstellen.

2019, Oktober, weltweit. Rund um den Globus waren im März 2018 bereits 337 Nutzer der Plattform „Welcome to video“ verhaftet und danach angeklagt worden, 23 Kinder seien aus Missbrauchssituationen gerettet worden, gab das US-Justizministerium erst anderthalb Jahre später bekannt, um in Ruhe Zeit für Ermittlungen und Festnahmen zu haben. Die Nutzer der Plattform kamen aus den USA, Großbritannien, Südkorea, Saudi-Arabien, Irland, Spanien, Brasilien und Deutschland. Gezahlt wurde in Bitcoin. Aufgrund der Bitcoin-Adressen gingen die Ermittler von bis zu einer Million Nutzer aus. Acht Terabyte Daten wurden sicher gestellt, darunter etwa 250.000 Videos, die Gewalt gegen Kinder zeigten. Fast die Hälfte dieser Videos waren den Ermittlern vorher nicht bekannt gewesen – sie wurden also nicht getauscht, sondern neu erstellt. Der mutmaßliche Betreiber der Website war ein 23jähriger Südkoreaner, der zum Zeitpunkt der Bekanntgabe bereits verurteilt war und im Gefängnis saß. 24 Personen sollen insgesamt die Einnahmen aus dieser Plattform unter sich aufgeteilt haben. Die Polizei sei bemüht, das Geld zu finden und an die Opfer zu verteilen, hieß es auf der Pressekonferenz in den USA. (Quelle: Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 16.10.2019, „Ermittler heben internationale Kinderporno-Plattform aus“, abgerufen am 21.4.2020)

2019, Mai, Thailand/USA/Australien. Nach zwei Jahren Ermittlungen in der „Operation Blackwrist“ verhaftet die Polizei in Thailand, den USA und Australien insgesamt neun Menschen und Richter in mehreren Ländern verhängen zum Teil hohe Haftstrafen (z.B. 146 Jahre für den Administrator des Netzwerkes in Thailand oder 40 Jahre und 3 Monate gegen einen zweiten Administrator in Australien). 50 Kinder konnten gerettet werden. Interpol schätzt, dass weitere 100 Kinder missbraucht worden und auf dem Bildmaterial zu sehen sind. Das jüngste Opfer war nach bisherigen Erkenntnissen 15 Monate alt. Die Behörden sind im Mai 2019 noch damit beschäftigt, weitere Kinder zu identifizieren. 63.000 Menschen hatten das Netzwerk im Darknet abonniert. Insgesamt wurde in 60 Ländern ermittelt. (Quelle: Interpol Pressemitteilung vom 23.5.2019, abgerufen am 29.5.2019)

2019, Mai, Deutschland, Lügde im Kreis Lippe/NRW. Zum Jahreswechsel 2018/19 wurde ein 56jähriger Mann verhaftet, weil er seit 10 Jahren über 40 Kinder auf einem Campingplatz vergewaltigt haben soll. Im Laufe der Ermittlungen werden Tausende (manche Medien sprechen von Millionen) von Bild- und Videodateien gefunden, die untersucht werden müssen. Drei Männer wurden mittlerweile wegen schwerem sexuellem Missbrauch (so ist die rechtliche Formulierung), Anstiftung dazu oder Beihilfe angeklagt. Mindestens einer davon soll in einem Live-Chat per Internet an einer solchen Kindesmisshandlung teilgenommen haben. Ermittelt wird auch gegen die Polizei in Lippe und die Jugendämter Lippe und Hameln/Pyrmont, weil sie Hinweisen, die seit 2002 auf den Haupttäter vorlagen, evtl. nicht ausreichend nachgegangen sind (Eine Chronologie der Ereignisse in diesem Fall von 2008 bis heute finden Sie beim WDR). Der Prozessbeginn wurde für Juni 2019 angekündigt (Quelle: Diverse Presseberichte).

In diesem Fall gibt es noch kein Urteil und die Ermittlungen laufen. Es gibt seit Anfang 2019 eine breite und quasi tägliche Berichterstattung. Bitte suchen Sie aktuell selbst im Internet nach weiteren Informationen, wenn Sie sich für diesen Fall besonders interessieren. Wir werden versuchen, diesen Eintrag jeweils anlassbezogen zu aktualisieren.

2018, März, weltweit gab es Verhaftungen im Zusammenhang mit der Darknet-Plattform „Welcome to video“ (siehe oben, veröffentlicht wurde das erst im Oktober 2019).

2017, Juni, Deutschland und Österreich. Mehr als 87.000 User hatten sich auf der Internetplattfolm „Elysium“ getroffen, um Dateien zu tauschen oder sich zur Misshandlung von Kindern zu verabreden. Das Bundeskriminalamt schloss die Seite, die nur über das Darknet erreichbar war, verhaftete den 39jährigen Betreiber aus dem Landkreis Limburg-Weilburg in Hessen und weitere Menschen aus dem engeren Zirkel in Deutschland und Österreich. Die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt, wo die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) angesiedelt ist, und das Bundeskriminalamt veranlassten die Festnahmen. Das Portal bestand seit Ende 2016. (Quelle: Artikel auf Zeit-Online vom 6.7.2017, „Ermittler zerschlagen Kinderpornoplattform im Darknet“,  abgerufen am 7.7.2017)
Im März 2019 wurden die ersten Urteile gegen die Betreiber gesprochen. (Quelle: Artikel auf hessenschau.de vom 7.3.2019, „Hohe Haftstrafen für Betreiber von Kinderporno-Plattform“, abgerufen 11.3.2019) Zur Plattform Elysium gibt es eine wikipedia-Seite mit Details zu den Ermittlungen, Tätern usw.

2017, Mai, weltweit. Europol meldet eine Zwischenbilanz der „Operation Pacifier“ („Operation Schnuller“): 870 Menschen wurden weltweit fest genommen, 368 davon in Europa. Mindestens 259 sexuell misshandelte Kinder konnten identifiziert und teilweise von ihren Peinigern gerettet werden. Und die Ermittlungen, gestartet 2014, laufen 2017 immer noch. Die Internetplattform „Playpen“ war nach Angaben von Europol eine der größten Websites mit Abbildungen von Gewalt gegen Kinder. Rund 150.000 Menschen sollen die Plattform genutzt haben. Schon im Dezember 2014 habe man die drei Administratioren von Playpen verhaftet, der Leiter der Gruppe sei Anfang Mai 2017 in North Carolina/USA zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt worden, die anderen beiden zu je 20 Jahren. Von den 368 Verhafteten in Europa seien ebenfalls einige bereits verurteilt worden. Beteiligt waren Ermittlungsbehörden in Kolumbien, Kroatien, der Tschechischen Republik, Frankreich, Irland, Italien, Slowakien, Spanien, in der Schweiz und in Großbritannien.  „Playpen“ war eine Seite im sogenannten „Darknet“. (Quelle: Pressemitteilung von Europol 5.5.2017, abgerufen am 20.6.2017)

2017, März, Spanien. Als die ersten Meldungen auftauchten, hatten Sicherheitskräfte bisher 102 Verdächtige im Alter zwischen 21 und 60 Jahren festgenommen. Sie sind alle spanische Staatsbürger und stammen aus allen gesellschaftlichen Schichten (Zitat aus dem Artikel der Deutschen Welle: „vom Arbeiter bis zum Akademiker“). Ihnen wird zur Last gelegt, Videos und Fotos mit teilweise extremen Darstellungen von Gewalt gegen Kinder im Internet verbreitet zu haben – bis hin zu sexuellen Handlungen mit Tieren. Einige der Täter/innen sollen auch an der Produktion dieser Materialien beteiligt gewesen sein, andere Materialien stammten aus dem Ausland, so die Guardia Civil (spanische Polizei) in Madrid. Die Ermittler/innen stellten 400 Festplatten, 1700 DVDs und über 450.000 Fotos sicher. Die jüngsten misshandelten Kinder seien Säuglinge, die ältesten ca. 14 Jahre alt gewesen. Zehn der Opfer konnten identifiziert werden, als die Nachricht sich verbreitete. (Quelle: Deutsche Welle vom 31.3.2017, abgerufen am 20.6.2017)

2016, November, Norwegen. Es wurden „nur“ 20 Männer verhaftet im Westen von Norwegen, aber die beweisbaren Taten waren besonders grausam (Triggerwarnung: bitte lesen Sie in diesem Absatz nicht weiter, wenn Sie sich schützen wollen). Die Polizei fand Bildmaterial von Kindern verschiedener Altersgruppen, vom Säugling bis zum Teenager, die gefesselt und brutal misshandelt, zum Teil zum Sex mit anderen Säuglingen oder mit Tieren gezwungen wurden. Einer der Täter habe sich sogar im Darknet aus der Gruppe Tipps geholt, was er mit seinem noch ungeborenen Kind anstellen könnte, sobald es auf der Welt sei. Die Täter hätten teilweise ein sehr hohes Bildungsniveau gehabt, sagte die norwegische Polizei in einer Pressekonferenz, auch Grundschullehrer, Politiker und Anwälte seien dabei gewesen. Neben den 20 Verhafteten werde noch gegen 31 weitere Männer ermittelt. (Quelle: Artikel und Video auf Welt.de vom 21.11.2016, abgerufen am 20.6.2017)

2016, Europa. Bei einer europaweiten Polizeiaktion gegen Kinderpornografie im Internet sind 75 Verdächtige festgenommen worden. 207 konkrete Ermittlungsverfahren wurden eröffnet, als Europol von dieser Ermittlung berichtete. (Quelle: Pressemitteilung von Europol 23.8.2016) Bei der Aktion mit dem Namen „Operation Daylight“ seien alle EU-Mitgliedsländer außer Malta und die Tschechische Republik betroffen, sagte eine Europol-Sprecherin gegenüber dpa. (Gelesen in der Neuen Westfälischen, 24.8.2016)

2011, Niederlande (Europol). Die Ermittlungsbehörden vieler Länder haben drei Jahre lang in der „Operation Rescue“ zusammengearbeitet. Im März 2011 verkündete Europol, sie hätten im Internet-Netzwerk „boylover.net“ 670 Verdächtige identifiziert und 184 seien bereits festgenommen worden. 230 Kinder seien in Gewahrsam genommen worden. Dies sei die bislang höchste Anzahl geretteter Kinder bei solchen Aktionen. Beteiligt waren u.a. Behörden in Australien, Belgien, Kanada, Griechenland, Island, Italien, den Niederlanden, Neuseeland, Polen, Rumänien, Spanien, Großbritannien und den USA. Insgesamt hätte das Netzwerk über 70.000 Mitglieder gehabt. Das Zentrum sei in den Niederlanden identifiziert worden. (Quelle: Pressemitteilung von Europol, 16.3.2011, abgerufen am 20.6.2017)

2007, Berlin (Berliner Morgenpost). Der Oberbürgermeister einer Kleinstadt in Sachsen-Anhalt erhielt im August 2007 Besuch von der Kriminalpolizei – und wurde zu 8000 Euro Strafe verurteilt, weil er sich pädokriminelle Bilder im Internet angeschaut hatte. Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelte damals in der „Operation Himmel“ gegen 12.000 Verdächtige im ganzen Bundesgebiet. (Quelle: Berliner Morgenpost vom 6.1.2008, Artikel „Operation Himmel, auf Streife im Netz“, abgerufen am 6.12.2016 und Stern.de, 24.12.2007, abgerufen am 6.12.2016)

2006, keine Ortsangabe. (Berliner Morgenpost) Bei der „Operation Mikado“ prüften Ermittler 22 Millionen Kreditkartenabrechnungen auf einen bestimmten Betrag, der an einen Anbieter von pädokriminellen Fotos geflossen war. Sie machten 322 Verdächtige aus. Die Suche nach den Anbietern endet ohne konkretes Ergebnis auf den Phillippinen.(Quelle: Berliner Morgenpost vom 6.1.2008, Artikel „Operation Himmel, auf Streife im Netz“, abgerufen am 6.12.2016)

2004, Deutschland und Ausland. Unter dem Namen „Operation Nautilus“ durchsuchte die die Polizei in 15 Bundesländern und im Ausland innerhalb von drei Wochen rund 200 Wohnungen und Geschäftsräume.  Unter Federführung des LKA Hessen beschlagnahmte die Polizei insgesamt 26 PC, 1149 CD-Rom und DVD, 121 Disketten, 15 Wechsellaufwerke und 40 Videokassetten. Mehrere Staatsanwaltschaften in ganz Deutschland leiteten Ermittlungsverfahren ein wegen Besitzes von Dateien, die Gewalt gegen Kinder zeigen, aber auch wegen Tausch und Handel dieser Abbildungen. Die Tatverdächtigen waren Kunden eines Providers im Rhein-Main-Gebiet. (Quelle: Tageszeitung Trierischer Volksfreund, 15.3.2004, abgerufen am 18.2.2020) Im Ausland wurden laut LKA Hessen auch Anschriften von Kunden in Österreich, der Schweiz, Frankreich, den Niederlanden, Dänemark und China ermittelt. (Quelle: Neue Westfälische, 16.3.2004, Artikel nicht mehr online)

2003, Weltweit (Stern). Bei der „Operation Marcy“ wurden 2003 insgesamt 38 pädokriminelle Zirkel im Internet gesprengt. Es konnten 26.500 tatverdächtige Nutzer/innen in 166 Staaten ermittelt werden. (Quelle: Stern.de, 24.12.2007, abgerufen am 2.1.2017) 2005 wurde ein „führendes Mitglied“ dieses Netzwerkes laut der „heise online“ zu drei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Er wurde in neun Fällen schuldig gesprochen. Dies soll laut Heise Online das erste Urteil wegen „bandenmäßiger Verbreitung von Kinderpornografie im Internet“ gewesen sein. Außerdem sei er der Ausgangspunkt für die weltweiten Ermittlungen gewesen. (Quelle: heise online, 27.10.2005, abgerufen am 2.1.2017)

2002, Deutschland. Bei einer bundesweiten Aktion durchsuchte die Polizei hunderte Wohnungen, allein in Niedersachsen wurden 140 angegeben. Rund 1700 Computer-Festplatten und CD-Roms seien sichergestellt worden, hieß es von der Polizei. Die Verdächtigen sollen Bilder und Filme mit Gewalt gegen Kinder heruntergeladen und mit Kreditkarten bezahlt haben. Zugangsvoraussetzung sei vermutlich die Misshandlung der eigenen Kinder gewesen, hieß es aus Polizeikreisen. Im November 2001 hätten die Ermittler einen Hinweis auf zwei Tatverdächtige aus Braunschweig bekommen, die ihre Kreditkartendaten auf einem Server in den USA hinterlegt hätten. Über den Braunschweiger Computer hätten dann viele weitere Verdächtige ermittelt werden können. (Quelle: Neue Westfälische, Artikel vom 20.9.2002, nicht online)

2000, Deutschland. Über eine Internetseite des Dienstleisters T-Online tauschten hunderte Menschen Bilder und Filme von Gewalt gegen Kinder, als das BKA ihnen auf die Schliche kam. In der gesamten Bundesrepublik wurden Strafverfahren gegen tausende von Menschen eingeleitet, die auf diese Seite zugegriffen haben sollten. Binnen kürzester Zeit sei die Homepage 500.000 Mal angesurft worden – wobei jedes heruntergeladene Bild als eigener Zugriff gezählt wurde. Schwerpunkt der Aktion war eine Razzia in Sachsen-Anhalt, bei der 60 Beamte des Landeskriminalamtes rund 60 Wohnungen und Geschäftsräume durchsuchten und 20 Computer, mehrere tausend Disketten, hunderte Videos und CDs sowie Zeitschriften beschlagnahmten. Gegen 13 Tatverdächtige im Alter von 20 und 45 Jahren wurden dort Strafverfahren eingeleitet, in Nordrhein-Westfalen 258. Zeitgleich wurde ein Fahndungsaktion in Italien öffentlich bekannt, bei dem die Polizei Bilder und Filme von mutmaßlichen Kinderleichen sowie grausigen Vergewaltigungen entdeckt hatte. Auch diese Videos wurden im Internet zum Verkauf angeboten. In Deutschland seien diese aber noch nicht aufgetaucht, sagte ein Sprecher des Bundeskriminalamtes. Im Rahmen der Berichterstattung wurden die damaligen Veranstalter der Website jugendschutz.net mit der Aussage zitiert, jede zweitausendste von täglich Millionen Anfragen in Suchmaschinen hätten eindeutig kinderpornografischen Inhalt. Dabei seien Einzelpersonen aktiv, aber auch „mafiaähnliche Organisationen“, denn es gehe um einen Umsatz in Milliardenhöhe. (Quelle: Neue Westfälische, Artikel vom 20.9.2000, nicht online)

1999, Deutschland. Die „Operation „Bavaria“ fand nicht nur in Bayern, sondern in ganz Deutschland, aber auch in Großbritannien, Kanada, Norwegen, Schweden, der Schweiz und den USA. Zwei Beschuldigte wurden direkt in Untersuchungshaft genommen. Das Alter der misshandelten Kinder reichte von drei bis zu 14 Jahren. Mehrere 10.000 Bilder wurden sicher gestellt. Auch hier wurden, wie bei der „Operation Wonderland“ im Jahr zuvor (siehe unten), die Dateien per Online-Chat „irc“ ausgetauscht. (Quelle: Welt.de, 20.3.1999, abgerufen am 18.2.2020) Ein Sprecher des BKA sagte, dies sei die erste internationale Aktion dieser Art, die von Deutschland ausging. (Quelle: Artikel in der WAZ, nicht online)

1998, Weltweit. (taz) Von Deutschland bis Australien wurden schon in den frühen Jahren des Internetss Wohnungen durchsucht von Täter.innen, die sich online austauschten und vernetzten. Und auch damals waren es schon Kleinkinder, die auf den getauschten und gehandelten Tatfotos abgebildet waren. In der Operation „Wonderland“ lief dieser Austausch noch über das Echtzeit-Chatprogramm „irc“. Die weltweiten Razzien wurden von London aus koordiniert, fand zeitgleich in 21 Staaten statt und es gab weltweit mehrere Festnahmen. In Deutschland waren sieben Bundesländer betroffen. Laut Auskunft des Landeskriminalamtes Düsseldorf durfte nur Mitglied im „Wonderland-Club“ werden, wer mindestens 10.000 Dateien mit pädokriminellen Abbildungen oder Filmen besaß oder seine eigenen Kinder zur Misshandlung anbot. (Quelle: taz.de, 3.9.1998, abgerufen am 18.2.2020)

September 1997, Stockholm: 1. Weltkongress gegen die kommerzielle Ausbeutung von Kindern. Dort wurde auch eine Studie präsentiert, die der Deutsche Kinderschutzbund mit Unterstützung der Hans-Merkur-Versicherung 1996 zur Gewalt gegen Kinder im Internet in Auftrag gegeben hatte. Damals wurde das Internet noch als „WWW“ bezeichnet und war erst im Aufbau. Im Anschluss an diese Studie rief der Kinderschutzbund Bundeskonferenzen mit allen Landeskriminalämtern ein und setzte eine eigene „Online-Meldestelle“ ins WWW, die in den ersten 4 Wochen bereits 230 Meldungen erhalten hat. (Quelle: Pressemitteilung des Deutschen Kinderschutzbundes aus dem März 1998, nicht online)