Kwa Sizabantu: Ermittlungen in Südafrika

Die südafrikanische Polizei ermittelt seit Herbst 2020 gegen die religiöse Gemeinschaft Kwa Sizabantu, nachdem mehrere Zeuginnen und Zeugen im südafrikanischen Fernsehen [1] von Vergewaltigungen, Prügelstrafen und anderen Gewaltformen berichtet hatten. Polizeilich ermittelt wird gegen der Veruntreuung von Geldern. Mit den Vorwürfen wegen Menschenrechtsverletzungen beschäftigt sich die staatliche CRL-Kommission. [10]

Kwa Sizabantu wurde in den 1970er Jahren als christliche Mission gegründet [2], nachdem es bereits Mitte der 1960er Jahre ein “Erweckungsereignis” gab [1], [2].

Ehemalige Mitglieder veröffentlichen seit 1999 Berichte von Menschenrechtsverletzungen, sexuellen Übergriffen und Ausbeutung auf einer deutschen Website. Dort heißt es:

Die Mission, die geleitet wird von dem deutschstämmigen Südafrikaner Erlo Stegen, bezeichnet sich als evangelisch-lutherisch und nennt sich „Erweckungsbewegung“. Sie hat ca. fünf- bis zehntausend Anhänger in Südafrika, Deutschland, Holland, Frankreich, Belgien, Schweiz, Rumänien und Australien. Aus der Mission Kwasizabantu gehen in den genannten Ländern auch die Organisationen „Christen für die Wahrheit“ und „Wahre Liebe wartet“ hervor. In den europäischen Ländern betreibt Kwasizabantu den „Eurochor“, in Deutschland die Aktion Schiphra und Pua sowie in der Schweiz „Betroffenes Spital“. In Südafrika, in Kaltbrunn/Schweiz und Schwäbisch Gmünd-Lindach/Deutschland führt die Mission Kwasizabantu je eine „Domino-Servite-Schule“. [3]

Die deutsche Gemeinde in Schwäbisch Gmünd-Lindach distanzierte sich 2019 öffentlich von Kwa Sizabantu [4] und benannte sich um.

Kwa Sizabantu Südafrika finanziert sich durch umfangreiche landwirtschaftliche Einnahmen inklusive einer eigenen Wasserquelle. Außerdem betreibt Kwa Sizabantu Fabriken und diverse Handwerksbetriebe, einen Radiosender sowie einen Supermarkt. Der Humanistische Pressedienst spricht von “einem Millionenunternehmen”. [5]  Ein Teil der Vorwürfe, die der Gruppierung gemacht werden, bezieht sich auf wirtschaftliche Erlöse durch Ausbeutung von Arbeitskräften [5] und verschwundenes Geld. [6]

Die Augenzeug:innen in der Fernseh-Dokumentation auf News24 [1], die die Ermittlungen auslöste, berichten von systematischer Gewalt, exzessiven Prügelstrafen, zweifelhaften “Jungfräulichkeitstests” bei schwarzen Mädchen, arrangierten Hochzeiten, Ausbeutung und einem Klima der Angst, in dem insbesondere die Kinder groß wurden. Außerdem soll es Verbindungen mit dem südafrikanischen Geheimdienst gegeben haben.

Schon im Jahr 2000 gab es eine Welle schwerer öffentlicher Vorwürfe gegen Kwa Sizabantu, nachdem rund 20 ehemalige Mitglieder der Mission in einer tagelangen Anhörung bei einem Treffen leitender Pfarrer der größten Kirchen Südafrikas zu Wort kamen. [2], [7]

Kwa Sizabantu wird im Filmbericht [1] mit der Aussage zitiert, die Vorwürfe seien haltlos. Die Gemeinschaft sei weder ein Kult noch eine Sekte. Gewaltsame Übergriffe in den Domino Servite Schulen der Mission seien in der Verantwortung der Familien der Kinder gewesen. Auf die Jungfräulichkeitstests hätten Zulu Mitglieder in der Elternschaft der Schule bestanden. Besondere Verbindungen in die südafrikanische Politik bestünden nicht. Die Vorwürfe seien Teil einer “Schmierenkampagne” ehemaliger Mitglieder.

Die Ermittlungen gegen Kwa Sizabantu [5] seit Herbst 2020 werden überschattet von der Corona-Pandemie. So führte eine Demonstration mit mehr als 2000 Teilnehmer:innen gegen die Mission zu mehreren Covid19-Infektionen und wurde als Super-Spreader-Event bezeichnet. [8] Auch mehrere Ermittler sollen an Covid19 erkrankt und einer verstorben sein [9].

Quellen:

[1] Fernseh-Dokumentation aus dem September 2020 auf News24: http://players.brightcove.net/5758753556001/default_default/index.html?videoId=6192297794001, abgerufen am 9.3.2021

[2] Wikipedia-Seite zu Kwa Sizabantu, Lage, Geschichte usw.: https://de.wikipedia.org/wiki/Kwasizabantu, abgerufen am 9.3.2021

[3] Website https://www.ksb-alert.com, abgerufen am 9.3.2021

[4] Umbenennung der deutschen Gemeinde in Schwäbisch-Gmünd 2019: https://www.fegl.de/2019/08/16/mitteilung/, abgerufen am 9.3.2021

[5] Artikel “Religiös motivierte Misshandlungen in Südafrika” auf der Website des Humanistischen Pressedienstes, abgerufen am 9.3.2021

[6] Deutsche Welle, englischer Artikel “Kwasizabantu Mission scandal rocks South Africa” (Der Skandal um Kwasizabantu erschüttert Südafrika), abgerufen am 9.3.2021

[7] Marcus Mockler, “Die umstrittene Mission KSB tarnt sich hinter einem Netz christlicher Initiativen“, in idea Spektrum Nr. 31/2000, archiviert im Internet Archive, abgerufen 9.3.2021

[8] Englischer Artikel  auf news24.com, “‘It is unthinkable’ – Zikalala slams mass protest at KwaSizabantu which resulted in 48 infections” (“Es ist unvorstellbar” – Zikalala verurteilt Massenproteste mit 48 Neuinfektionen in Kwa Sizabantu”), abgerufen am 9.3.2021

[9] Quelle: Recherchen eines ehemaligen Mitglieds, das die Ermittlungen beobachtet.

[10] Englischer Artikel auf news24.com: “CRL Commission’s probe into KwaSizabantu resumes in Gauteng” (“Die Untersuchungen der CRL Kommission zu KwaSizabantu in Gauteng (südafrikanische Provinz) werden aufgenommen”), abgerufen am 6.4.2021