Dutroux und andere in Belgien

Im Jahr 2004 wurde Marc Dutroux verurteilt, weil er mehrere Jahre lang Mädchen und junge Frauen in Belgien entführt, vergewaltigt, gefoltert und getötet hat. Drei Kompliz/innen erhielten ebenfalls Haftstrafen. Dass Dutroux selbst zu einer Sekte gehörte, darauf gibt es keine Hinweise. Belegt sind aber Hinweise darauf, dass er evtl. Kinder an einen Satanskult liefern sollte. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass er Verbindungen zur Stasi und in europaweite pädokriminelle Netzwerke hatte. Damit gibt dieser Fall für unser Thema hochinteressante Einblick in vernetzte Täter/innen-Strukturen. Die Hinweise auf Satanismus bei Dutroux haben wir unter der Rubrik „Religiöse und ideologische Hintergründe“ dokumentiert, die Hinweise auf die Stasi unter „Was sagt die Politik?“.

Tatzeit von:


1. Januar 1983
(geschätzt nach Quellenlage)

Tatzeit bis:


13. August 1996
(Verhaftung)

Urteil/Anlass Datum:


22. Juni 2004

Stadt:


Marcinelle bei Charleroi

Bundesland/Landstrich:



Land:


Belgien

Ist Rituelle Gewalt im Ausland strafbar?


Verhaftet wurde Marc Dutroux am 13. August 1996. Die Polizeibeamten konnten aus einem professionell gebauten Kellerverlies zwei Mädchen, Sabine Dardenne (12 Jahre alt) [1] und Laetitia D. (14 Jahre) lebend befreien. [2], [3] Er selbst führte die Polizisten danach zu den Orten, an denen er vier Mädchenleichen vergraben hatte.

Nachgewiesene Taten

Sabine Dardenne und Laetitia D. wurden von Dutroux entführt, eingesperrt und mehrfach vergewaltigt.

Julie L. und ihre Freundin Melissa R. waren 8 Jahre alt, als sie nach Vergewaltigungen und Folter von Dutroux verhungerten. Neben diesen Leichen fand die Polizei die Leiche von Bernhard Weinstein, der als Handlanger von Dutroux galt. Ihn versuchte Dutroux anfangs für den Tod der Mädchen verantwortlich zu machen. Später stellte sich heraus, dass Weinstein vor den Mädchen verstorben war. [2]

Anfang Dezember 1996 wurden dann die Leichen von An M. (17) und Eefje L. (19) entdeckt. Bis zum Auffinden behauptete Dutroux, er habe sie an ein Bordell in der Slowakei verkauft. Ihre Körper waren verbrannt. [2]

Bei Hausdurchsuchungen fand die Polizei unzählige Videokassetten mit pädokriminellem Inhalt sowie viele Gegenstände, die weiteren Opfern gehört haben könnten. Sowohl Täter als auch Opfer auf diesen Filmen sind bis heute weitgehend unbekannt. Es wird aber vermutet, dass Dutroux’s Frau einige dieser Filme gedreht habe. [2]

Verurteilungen

Marc Dutroux wurde im Juni 2004 zu einer lebenslänglichen Gefängnisstrafe verurteilt. [2]

Seine Frau Michelle Martin wurde wegen Hilfen bei den Entführungen und weil sie zwei der Mädchen verhungern ließ, ohne zu helfen, zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt [4]. 2012 wurde sie aber nach 8 Jahren Haft wegen guter Führung auf Bewährung und unter Auflagen entlassen. Sie wurde von Nonnen in einem Kloster aufgenommen. [5] Seit 2014 darf sie ihren Wohnort frei wählen, aber Belgien nicht verlassen. Außerdem hat sie die Auflage, nicht in die Bezirke zu ziehen, in denen die von Dutroux entführten und getöteten Kinder wohnten. 2015 zogen die Nonnen mit ihrem Kloster um, für Martin war kein Platz mehr. Das Kloster sah sich auch immer wieder mit Protesten konfrontiert. Martin zog zu einem pensionierten Richter auf dessen Bauernhof und studiert Jura (Stand Sommer 2016). [6]

Zwei weitere Mittäter wurden zu 25 Jahren (Michel Levievre) und 5 Jahren (Michel Nihoul) verurteilt. [2]

1998, zwei Jahre nach seiner Verhaftung, konnte Dutroux mit einer Dienstwaffe eines Polizisten fliehen, wurde bald darauf aber wieder gefaßt. Allein für diese Flucht erhielt er am 6.7.2000 eine Haftstrafe von fünf Jahren. [2]

Vorstrafen

Der Fall Dutroux ist gekennzeichnet von diversen Ermittlungspannen (inklusive einer Flucht von Dutroux 1998 während der Untersuchungshaft) und vielen rätselhaften Todesfällen im Umfeld der Ermittlungen und des Prozesses. Diese Dinge sind anderswo ausreichend dokumentiert, uns geht es auf dieser Webseite auf die Parallelen zu Ritueller Gewalt. Quellenhinweise geben wir in der Rubrik „Warum werden die Täter selten gefasst und verurteilt?“ Zu diesen Pannen aber gehörte, dass Dutroux diverse einschlägige Vorstrafen hatte, bei denen er immer wieder mit blauem Auge davon kam. Diese listen wir hier auf:

Im April 1989 [7] waren Dutroux und seine Ehefrau wegen Entführung und Vergewaltigung von fünf Mädchen im Teenager-Alter zu 13einhalb Jahren Haftstrafe verurteilt worden. Dutroux erhielt aber mehrfachen Hafturlaub und wurde schon 1992 vorzeitig entlassen. [2] Seine Frau war schon seit 1991 wieder auf freiem Fuß. [7]

1995 konnte ein eingesperrtes Mädchen aus einem seiner Kellerräume fliehen. Die Polizei fand daraufhin zwei gefesselte und betäubte Jungen in diesem Verlies. Dutroux gab an, die Kinder hätten ihm bei Autodiebstählen geholfen und kam mit einer Verurteilung zu 3 Monaten Haft davon. Geiselnahme und Freiheitsberaubung wurden nicht gesühnt. [2]

Quellen:
[1] Den Nachnamen von Sabine Dardenne haben wir hier ausgeschrieben, weil sie ein autobiografisches Buch über ihre Zeit bei Dutroux geschrieben hat und damit aktiv in die Öffentlichkeit gegangen ist. Die anderen Opfer sind unseres Wissens bisher zurückhaltend, deshalb schützen wir ihre Namen hier.
[2] Buch Schümer, Dirk, „Die Kinderfänger“, Wolf Jobst Siedler Verlag, München 1997
[3] Buch Dardenne, Sabine, „Ihm in die Augen sehen“, Knaur Verlag München, 2004, Seite 1576ff.
[4] Diverse Quellen, hier exemplarisch: Buch Dardenne, Sabine, „Ihm in die Augen sehen“, Knaur Verlag München, 2004, Seite 259
[5] Diverse Zeitungsartikel, exemplarisch hier Zeitungsartikel aus Der Tagesspiegel, 30.8.2012, „Aus der Haft ins Kloster“, abgerufen am 28.12.2016. Im Artikel steht, der Haft sei nach 16 von 30 Jahren ein vorzeitiges Ende gesetzt worden – diese Berechnung bezieht die Untersuchungshaft mit ein. 1996 wurde Martin verhaftet, 2004 zu 30 Jahren Haft verurteilt.
[6] Online-Artikel Bild.de, 1.4.2015, „Komplizin von Kindermörder Dutroux zieht zu Ex-Richter“ und tagesschau.de, 16.8.2016, „Sie fütterte die Hunde, die Mädchen verhungerten“
[7] Es gibt in verschiedenen Quellen unterschiedliche Angaben zum Jahr, in dem dieses Urteil fiel. 1989 scheint uns die am besten belegte Quelle zu sein: In der PDF-Dokumentation von Stolzenberger, Jörg, „Aufklärungsgruppe Krokodil“, „Der Fall Marc Dutroux – Der Mittäter Bernhard Weinstein, gewisse Zeugenaussagen und die angeblich satanistischen Hintergründe – Teil 1“, online gestellt 2004, abgerufen am 15.12.2016


Warum werden die Täter/innen selten gefasst und verurteilt?


Der Fall Dutroux ist gekennzeichnet von diversen Ermittlungspannen (inklusive einer Flucht von Dutroux 1998 aus der Untersuchungshaft), vielen Verbindungen und Freundschaften von Dutroux  in belgische Politiker- und Ermittlerkreise und vielen rätselhaften Todesfällen im Umfeld der Ermittlungen und des Prozesses. Diese Rätsel und Pannen sind anderswo sehr ausführlich dokumentiert (Liste folgt). Damit legt der Fall Dutroux nahe, dass es pädokriminelle Täter-Banden mit einflussreichen Verbindungen gibt, so wie es auch von Aussteiger/innen aus Ritueller Gewalt immer wieder berichtet wird. Und gleichzeitig wird bei Dutroux sichtbar: Diese Verbindungen werden von der Justiz nicht verfolgt und verurteilt, solange man nicht einzelnen Mittäter/innen einzelne Straftaten zuordnen kann. Dies ist keine belgische „Spezialität“, sondern kann auch in anderen großen Prozessen beobachtet werden (z.B. beim sogenannten „NSU-Prozess“ in München 2016).

Wenn Sie sich mit den vielen Ermittlungspannen und Merkwürdigkeiten im Fall Dutroux beschäftigen möchten, listen wir hier einige Quellen auf, die wir bei unseren Recherchen gefunden haben. Diese Liste ist nicht vollständig – dazu wurde zu Dutroux einfach zu viel veröffentlicht.

 


Sind Menschen bei Ritueller Gewalt getötet worden?


Nachgewiesen wurde Dutroux die Schuld an vier verstorbenen oder getöteten Mädchen und jungen Frauen. Außerdem wurde ein ermordeter Komplize gefunden und es gibt mehrere rätselhafte oder zumindest umstrittene Todesfälle unter Zeugen und Ermittler/innen im Fall Dutroux. [1]

Weitere tote Kinder oder Frauen als direkte Opfer von Dutroux werden vermutet, weil z.B. entsprechende Videocassetten und andere Indizien in seinen Besitztümern gefunden wurden (Mehr dazu siehe oben in der Rubrik „Urteile im Ausland“).

Quellen:
[1] Film Eekman, Piet, „Dutroux und die toten Zeugen“, bei Youtube betitelt mit „Marc Dutroux – Die Spur der Kinderschänder“, ZDF 2001, abgerufen am 16.12.2016


Sind Kinder an Ritueller Gewalt beteiligt?


Von den sechs namentlich bekannten und nachgewiesenen Opfern von Marc Dutroux waren vier noch minderjährig (Julie, Melissa, Sabine und Laetitia). Auf den pädokriminellen Videos, die man bei ihm fand, waren viele weitere Kinder zu sehen. Identifiziert wurden die Kinder auf den Videos bislang nicht – zumindest ist darüber unseres Wissens nichts offiziell bekannt.

Außerdem war Dutroux bereits wegen Verbrechen an Kindern vorbestraft. 1988 wegen Entführung und gefilmten Vergewaltigungen mehrerer minderjähriger Mädchen (die ließ er wenige Tage nach den Entführungen wieder frei) [1] und 1995, weil er Mädchen und Jungen gefangen gehalten hatte. (Mehr oben unter „Urteile im Ausland“) [2]

Quellen:
[1] PDF-Dokumentation von Stolzenberger, Jörg, „Aufklärungsgruppe Krokodil“, „Der Fall Marc Dutroux – Der Mittäter Bernhard Weinstein, gewisse Zeugenaussagen und die angeblich satanistischen Hintergründe – Teil 1“, online gestellt 2004, abgerufen am 15.12.2016
[2] Buch Schümer, Dirk, „Die Kinderfänger“, Wolf Jobst Siedler Verlag, München 1997


Sind Kinder bei Ritueller Gewalt gestorben?


Zwei der vier nachgewiesenermaßen gestorbenen Mädchen und jungen Frauen waren minderjährig: Julie und Melissa, beide acht Jahre alt.  Weitere werden vermutet, konnten aber noch nicht offiziell Dutroux „zugeordnet“ werden. (siehe oben, Rubrik „Urteile im Ausland“)

Die Berliner Morgenpost veröffentlichte 2004 einen Artikel, in dem sie aus einer ihr zugespielten Ermittlungsakte 8257/01 zitiert. Darin soll der Tod eines deutschen Jungen bei einer gefilmten Vergewaltigung nahe Amsterdam beschrieben worden sein. Das wäre ein Beleg für ein Snuff-Video, also das Töten von Menschen vor laufender Kamera. [1]

Quellen:
[1]  Zeitungsartikel Berliner Morgenpost 8.3.2004, „Kinderschänderring um Marc Dutroux reichte bis nach Berlin“, online abgerufen am 6.12.2016


Woher kommen diese Kinder?


Sabine Dardenne war eines der beiden Mädchen, die lebend aus Dutrouxs Keller befreit werden konnten.  Sie schreibt in Ihrem Buch, wie sie auf einer Landstraße von Dutroux und einem Komplizen von ihrem Fahrrad in ein Auto gezerrt und entführt wurde. [1] Die anderen fünf nachgewiesenen Opfer von Dutroux wurden ebenfalls entführt. Woher die Kinder auf den pädokriminellen Videos, die man bei ihm fand, stammten, ist unklar.

Im Zuge der Recherchen um Verbindungen von Marc Dutroux zur Stasi (siehe „Was sagt die Politik?“) berichtete die Berliner Morgenpost 2002, dass Kinder aus DDR-Kinderheimen von der Stasi dafür benutzt worden seien, um westliche Politiker mit pädokriminellen Aufnahmen zu erpressen. [2]

In einer Biografie von Marc Dutroux wird beschrieben, dass Dutroux schon in den 1980er Jahren insbesondere Eislaufhallen nutzte, um Kontakt zu seinen späteren Opfern zu knüpfen. [3]

Quellen:
[1] Buch Dardenne, Sabine, „Ihm in die Augen sehen“, Knaur Verlag München, 2004
[2] Zeitungsartikel Berliner Morgenpost 9.2.2002, „Kinderpornographie: Stasi erpresst Politiker“, von Dirk Banse und Michael Behrendt, online abgerufen am 6.12.2016
[3] PDF-Dokumentation von Stolzenberger, Jörg, „Aufklärungsgruppe Krokodil“, „Der Fall Marc Dutroux – Der Mittäter Bernhard Weinstein, gewisse Zeugenaussagen und die angeblich satanistischen Hintergründe – Teil 1“, online gestellt 2004, abgerufen am 15.12.2016

 


Welche Rolle spielt sexualisierte Gewalt?


Dutroux ist definitiv ein juristisch überführter pädokrimineller Straftäter, das bestätigt auch Sabine Dardenne, die in seiner Gewalt war, lebend gerettet wurde und später ein Buch veröffentlichte. [1] Inwieweit er auch Kinder an andere Pädokriminelle weiter gegeben hat oder einem satanistischen Kult zur Verfügung stellte (siehe „Religiöse und ideologische Hintergründe“), ist im Prozess nicht abschließend geklärt worden.

Die Hinweise auf Dutrouxs Verbindungen zu pädokriminellen Kreisen sind von Journalisten aufgearbeitet worden. [2], [3]  (Mehr dazu siehe Rubrik „Warum werden die Täter nicht gefasst und verurteilt?“)

Quellen:
[1] Buch Dardenne, Sabine, „Ihm in die Augen sehen“, Knaur Verlag München, 2004
[2] Zeitungsartikel Berliner Morgenpost 11.6.2004, „Die Gespinste des Marc Dutroux“, online abgerufen am 6.12.2016
[3] Zeitungsartikel Berliner Morgenpost 8.3.2004, „Kinderschänderring um Marc Dutroux reichte bis nach Berlin“, online abgerufen am 6.12.2016


Wer sind die Täter/innen?


Marc Dutroux war stellenloser Elektriker und z.B. bei der Polizei bereits mit Autodiebstählen aufgefallen. Ein mit ihm verurteilter Komplize war belgischer Geschäftsmann. Vermutet wird, dass Dutroux Teil eines Täter/innen-Netzwerkes war, das europaweit agierte. [1] Verurteilt wurden aber nur er selbst und drei Mittäter/innen:

Seine Ehefrau, ein drogenabhängiger  Komplize, der gestand, Dutroux bei den Entführungen geholfen zu haben und ein Geschäftsmann und Grundstücksmakler mit Verbindungen ins Rotlichtmillieu, der der Mittelsmann in pädokriminelle Kreise gewesen sein soll. [2] (Weitere Details siehe „Urteile im Ausland“).

Was für Dutroux als Teil eines Täter-Netzwerkes spricht

Wie Dutroux als stellenloser Elektriker fünf Häuser besitzen und diverse Lagerräume und Garagen anmieten konnte, außerdem mit Aktien handelte und über mehrere Bankkonten verfügte [2], ist eine der unbeantworteten Fragen, aufgrund derer vermutet wird, dass er viel Geld mit Kinderhandel und sexueller Ausbeutung von Kindern verdient habe. So sind z.B. kurz nach der Entführung von An und Eefje und auch nach der Entführung von Sabine große Geldsummen auf diesen Konten in bar eingezahlt worden. [2]

Dutroux selbst behauptete während der Ermittlungen und im Prozess wiederholt, er sei nur ein kleines Licht in einem großen, einflußreichen Netzwerk gewesen. [3]

Verschiedene Journalisten haben intensiv zu Dutrouxs Verbindungen in pädokriminelle Kreise und höhere Gesellschaftsschichten recherchiert. Exemplarisch geben wir hier ein paar Quellen an:

  • Recherchen der Berliner Morgenpost von Dirk Banse und Michael Behrendt beschreiben pädokriminelle Täter-Banden in Nordeuropa anhand einer ihnen zugespielten Ermittlungsakte 8257/01. Demnach soll Dutroux in Amsterdams Rotlicht-Viertel beteiligt gewesen sein und einem Ring angehört haben, der Mädchen beschaffte. Gleichzeitig gab es nach diesen Recherchen einen Ring, der Jungen in die holländischen Sex-Clubs brachte (unter anderem soll darunter auch der in Berlin entführte  Markus Schadwald gewesen sein). Die Informanten, die die Berliner Morgenpost zitiert, kommen aus Großbritannien, Berlin, den Niederlanden und Belgien. [1]
  • Das ZDF veröffentlichte 2001 eine Dokumentation, in dem die teilweise rätselhaften, teilweise eindeutigen gewaltsamen Todesfälle von insgesamt 27 Zeug/innen beschrieben werden, während Dutroux in Haft saß. Der Film legt also nahe, dass Menschen in Freiheit gegeben habe, die die Ermittlungen behindert und unliebsame Zeug/innen aus dem Weg geschafft haben. [4]
  • Die Polizei in verschiedenen europäischen Ländern ermittelte gegen pädokriminelle Täter-Ringe, wie sie von der Berliner Morgenpost und anderen Medien beschrieben wurden. [5]
  • In einer ARD-Dokumentation [6] wird darüber berichtet, dass bei der Obduktion von Melissa und Julie DNA-Spuren von weiteren, unbekannten Menschen gefunden wurden. Dem Bericht zufolge gab es genetisches Material von vier männlichen und fünf weiblichen Menschen bei dieser Untersuchung. Der Richter habe diese Spuren damals ausdrücklich nicht weiter verfolgen wollen, heißt es in dem Bericht.

Was dafür spricht, dass Dutroux ein pädokrimineller Einzeltäter war

Die Urteile gegen Dutroux und seine Kompliz/innen fielen gegen sie als eine kleine Gruppe von Einzeltäter/innen. Das Gericht in Arlon hat nicht bestätigt, dass es hinter Dutroux ein einflussreiches Netzwerk gab. [7]

Sabine Dardenne, die 80 Tage in seiner Gewalt verbrachte und lebend gerettet wurde, bezeichnet Dutroux als „Manipulator“ und bestreitet seine Aussagen in ihrem Buch vehement. Schon während ihrer Gefangenschaft habe Dutroux ihr immer von einem „Chef der Entführung“ berichtet, vor dem er sie beschützen würde, während er sie gleichzeitig misshandelte. Dies seien Versuche der Einschüchterung und Manipulation gewesen, um sie in eine Abhängigkeit zu bringen, schreibt sie:

Das Monster [sie meint Dutroux] ist nicht, wie er es uns glauben lassen will, nur ein Mittelsmann innerhalb eines angeblichen Netzwerkes, dessen Drahtzieher die wichtigsten Politiker des Landes sein sollen. Er lügt wie gedruckt, er formuliert Theorien, die so miserabel sind wie er … [8] Der „Mann, der mich bewachte“ [sie meint Dutroux] war ein einzelner Perverser. [9]“

Quellen:
[1]  Zeitungsartikel Berliner Morgenpost 8.3.2004, „Kinderschänderring um Marc Dutroux reichte bis nach Berlin“, online abgerufen am 6.12.2016
[2] PDF-Dokumentation von Stolzenberger, Jörg, „Aufklärungsgruppe Krokodil“, „Der Fall Marc Dutroux – Der Mittäter Bernhard Weinstein, gewisse Zeugenaussagen und die angeblich satanistischen Hintergründe – Teil 1“, online gestellt 2004, abgerufen am 15.12.2016
[3] Zeitungsartikel Berliner Morgenpost 11.6.2004, „Die Gespinste des Marc Dutroux“, online abgerufen am 6.12.2016
[4] Film Eekman, Piet, „Dutroux und die toten Zeugen“, bei Youtube betitelt mit „Marc Dutroux – Die Spur der Kinderschänder“, ZDF 2001, abgerufen am 16.12.2016
[5] Zeitungsartikel Der Tagesspiegel, 21.7.1998, „Bürgerinitiative erschwert die Fahndung“, abgerufen am 15.5.2018
[6] Film „die story – Der Fall Dutroux“ (Link zum Film bei youtube), ARD, Erstsendedatum 1.3.2004, abgerufen am 15.5.2018

[7] Buch Dardenne, Sabine, „Ihm in die Augen sehen“, Knaur Verlag München, 2004, S. 259ff.
[8] Buch Dardenne, Sabine, „Ihm in die Augen sehen“, Knaur Verlag München, 2004, S. 185
[9] Buch Dardenne, Sabine, „Ihm in die Augen sehen“, Knaur Verlag München, 2004, S. 260


Was sagt die Politik?


Marc Dutroux soll nach Presseberichten, insbesondere in der Berliner Morgenpost, auch Verbindungen zur Stasi gehabt haben. [1]

Nach Recherchen der Berliner Morgenpost 2002 habe sich die CIA in den Wendezeiten Material aus der Hauptverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit (Stasi) gesichert, das auch Informationen über westeuropäische Politiker enthalte. Um diese Politiker nicht zu kompromittieren, werde das Material geheim gehalten. Ein ehemaliger Verbindungsoffizier des sowjetischen Geheimdienstes KGB, so heißt es in mehreren Artikeln, habe gegenüber der Berliner Morgenpost eidesstattlich versichert, dass diese Materialien mit kinderpornografischem Inhalt zur Erpressung von westlichen Politikern genutzt worden seien. Eine Schlüsselrolle, so habe der KGB-Mann behauptet, hätte der Vater des vermissten Jungen Manuel Schadwald [2] gespielt, der ebenfalls für die Stasi gearbeitet habe. Und wegen dieser Verwicklungen mit Geheimdienstinteressen seien weder der Fall Dutroux noch der Verbleib von Manuel Schadwald [2] bislang aufgeklärt worden. [1]

Die Informationen bestätigte der ehemalige Geheimdienstkoordinator im Bundeskanzleramt, Bernd Schmidbauer (CDU), den die Zeitung zitierte:

„Es gab in der Tat Hinweise, wonach sich solche Informationen in dem Stasi-Material wieder finden, das dem amerikanischen Geheimdienst CIA zugespielt wurde. Der belgische Geheimdienst wäre gut beraten, diese Unterlagen gründlich auszuwerten.“ [1]

Der Vater von Manuel Schadwald hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe immer bestritten und sie konnten ihm auch nicht nachgewiesen werden (Stand 2003). [3], [4]

Als politisch motiviert stufen manche Beobachter auch eine Hausdurchsuchung bei der Berliner Morgenpost 2012 ein. Der Chefreporter dieser Zeitung war nach Amsterdam gereist, um dort nach Verbindungen von Dutroux zu dem 1993 entführten Jungen Manuel Schadwald [2] zu suchen. Nach Darstellung der Berliner Morgenpost wurde der Reporter dabei von einem Beamten des Berliner Landeskriminalamtes in dessen Freizeit begleitet. Der Beamte habe ein Tageshonorar erhalten und es wurden einige Reisespesen übernommen, so die Zeitung. Daraufhin wurden gegen den Reporter der Berliner Morgenpost (gehörte damals zur Axel Springer AG) Ermittlungen wegen Beamtenbestechung eingeleitet und sein Arbeitsplatz in der Redaktion wurde durchsucht. [5]

Das Bundesverfassungsgericht stufte die Durchsuchungsbeschlüsse des Amtsgerichts Tiergarten später als verfassungswidrig ein. [6] Der Anwalt hatte insbesondere die „einschüchternde Wirkung“ einer solchen Durchsuchung auf Informanten der Zeitung betont. Die Durchsuchung beschäftigte auch den Rechtsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. [5]

Quellen:
[1] Zeitungsartikel Berliner Morgenpost vom 9.2.2002, „Kinderpornographie: Stasi erpresste Politiker“, von Dirk Banse und Michael Behrendt, online abgerufen am 6.12.2016
[2] Normalerweise schützen wir die Namen von Opfern der auf unserem Infoportal beschriebenen Straftaten. Im Fall Manuel Schadwald nennen wir den vollen Namen des Kindes, weil er in mehreren Fällen hier eine Rolle spielt und es deshalb nötig ist, ihn auch hier eindeutig zu identifizieren. In der Öffentlichkeit ist er eines der bekanntesten Entführungsopfer, das bis heute vermisst wird, insofern kann man ihn presserechtlich sowieso als „Person der Zeitgeschichte“ einordnen.
[3] Zeitungsartikel „Krip geht neuen Hinweisen nach“, Berliner Morgenpost 12.2.2002
[4] Zeitungsartikel „Der Fall Manuel und die Stasi“, Berliner Morgenpost 9.2.2003
[5] Zeitungsartikel „Durchsuchung bei der Berliner Morgenpost“, Berliner Morgenpost 4.12.2012, Link zum Artikel, abgerufen am 5.12.2016
[6] Urteile des Bundesverfassungsgerichtes mit den Aktenzeichen 1 BvR 2480/13 – Rn. (1-32) und 1 BvR 1089/13 – Rn. (1-32)


Psychologische / medizinische Hintergründe


Der Fernsehsender Arte berichtete nach Angaben von EBIS e.V. [1] über die psychologischen Gutachten über Marc Dutroux. Die ausführlicheren  Zitate aus dem Urteil können Sie hier nachlesen. Diesem Gutachten zufolge sei Marc Dutroux zum Zeitpunkt seiner Straftaten weder geistig verwirrt noch psychisch labil oder unzurechnungesfähig gewesen. Im Gegenteil verfüge er über eine „praktische und effiziente Intelligenz (IQ von 120)“, sei vielseitig interessiert und könne sich gut ausdrücken. Allerdings sei er sehr manipulativ und beschwere sich auffällig über seine Mutter und die schlechte Behandlung in seiner Kindheit. [2] Eine detaillierte Zusammenstellung verschiedener Quellen und Aussagen über Dutrouxs Kindheit findet sich in den Dokumenten der „Auklärungsgruppe Krokodil“. [3]

Dutrouxs Erinnerungsvermögen sei gut, so das Gutachten weiter, allerdings in Bezug auf Details seiner Taten eher selektiv. [2]

Die sechs bekannten Opfer von Dutroux sind zwischen 8 und 19 Jahre alt gewesen – trotzdem seien die Gutachter nicht der Ansicht, dass er „pädophil“ [4] sei. Das Alter der Opfer habe „zu keinem Zeitpunkt eine Auswirkung“ auf ihn gehabt, außer, dass es wesentlich leichter sei, jüngere Opfer in seine Gewalt zu bringen, gefangen zu halten und zu manipulieren. [2]

Dutroux wird bescheinigt, ihm seien soziale Regeln durchaus vertraut, er lehne sie aber ab oder lege sie nur zu seinem Vorteil aus. [2]

Quellen:
[1] EBIS = Eltern- und Betroffeneninitiative zur Selbsthilfe gegenüber neuen religiösen und ideologischen Bewegungen, Baden-Württemberg e.V., Link zur Webseite, abgerufen am 15.12.2016
[2] Zur EBIS (siehe [1] gehört die „Aufklärungsgruppe Krokodil“. Diese hat umfangreiche Informationen zum Fall Dutroux auf ihrer Webseite als PDFs veröffentlicht, online gestellt 2004. Link zur Webseite, abgerufen am 15.12.2016

[3] PDF-Dokumentation von Stolzenberger, Jörg, „Aufklärungsgruppe Krokodil“, „Der Fall Marc Dutroux – Der Mittäter Bernhard Weinstein, gewisse Zeugenaussagen und die angeblich satanistischen Hintergründe – Teil 1“, online gestellt 2004, abgerufen am 15.12.2016
[4] Den Begriff „pädophil“ verwenden wir eigentlich nicht – siehe Begriffserklärungen. An dieser Stelle steht er trotzdem, weil er (offenbar, uns liegt nur eine Sekundärquelle vor) als medizinische Diagnose im Gutachten verwendet wurde.


Religiöse und Ideologische Hintergründe


Die Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) berichtete am 30.12.1996, dass im belgischen Fernsehen eine anonymisierte Zeugin von Satansmessen im Zusammenhang mit Dutroux berichtet habe. Und es gebe auch Verbindungen zu deutschen Tätern. [1] Ergänzend dazu habe die Polizei im Haus von Dutrouxs ermordetem Komplizen Bernhard Weinstein einen Zettel gefunden, der eine Verbindung in einen satanistischen Kult nahelegt: „Das große Fest nicht vergessen. Hoher Priester erwartet Geschenk.“ [2]

Der Journalist und Buchautor Rainer Fromm datiert das Bekanntwerden dieses Zettels auf den 8. Januar 1997, weil an diesem Tag eine entsprechende Meldung der Nachrichtenagentur AFP erschien. Außerdem zitiert er diesen Zettel mit „die Hohepriesterin“, nicht mit „Hoher Priester“, wie die Hannoversche Allgemeine Zeitung schrieb.  Dies mag ein Übersetzungsproblem sein, denn der Zettel wird natürlich nicht auf Deutsch, sondern in einer der in Belgien üblichen Sprachen (französisch, flämisch, walisisch, …) vorgelegen haben. Diesen Widerspruch konnte der Autor der HAZ im Januar 2017 aus der Erinnerung nicht mehr aufklären. [1]

Fromm schreibt in seinem Buch weiter:

„In einem weiteren beschlagnahmten Dokument war von der Notwendigkeit von „acht Opfern im Alter von 1-33 Jahren“ für eine „satanistische Zeremonie“ die Rede, so die Nachrichtenagentur AFP am 8. Januar 1997.“ [3]

Sehr ähnlich schreibt das auch Jörg Stolzenberger aus der „Aufklärungsgruppe Krokodil“:

„Schon am 08. Januar 1997, also noch relativ am Anfang der Ermittlungen im Fall Dutroux, teilte die Nachrichtenagentur AFP der Öffentlichkeit mit, dass im Haus des Komplizen von Marc Dutroux, Bernhard Weinstein, die belgische Polizei bei Durchsuchungsmaßnahmen auch Dokumente beschlagnahmt hat. Eines der Schreiben, so der Bericht, erinnerte den Adressaten daran, das „Geschenk für die Hohepriesterin“ nicht zu vergessen. In einem weiteren beschlagnahmten Dokument war von der Notwendigkeit von „acht Opfern im Alter von 1-33 Jahren“ für eine „satanische Zeremonie“ die Rede.“ [4]

Ob Priester oder Priesterin – für die belgische Polizei waren die Zettel offensichtlich Grund genug für eine Hausdurchsuchung in einer Satanisten-Gruppe. Auch darüber berichtete die Hannoversche Allgemeine Zeitung schon im Dezember 1996:

„Bereits in der vergangenen Woche waren die Räumlichkeiten des sogenannten Abrasax-Institutes in Forchies la Marche von der Polizei durchsucht worden. Hinter diesem „Institut“ verbirgt sich die Satanskirche, deren „hohe Priesterin“ Dominique Kindermans jedoch jegliche Verbindungen zu Dutroux bestreitet.“ [2]

Thorsten Becker zitiert in einem Buchartikel 2010 die ihm gegenüber 1999 getätigten Aussagen der sogenannten „Zeugin X1“ im Prozess gegen Marc Dutroux, die rituelle/satanistische Mißhandlungen als Inszenierung der Täter beschreibt,

„… weil sie wußten, wenn kleine Kinder dies berichten, wird ihnen niemand glauben. … Meine Misshandler waren nicht wirkliche satanistische Misshandler, sie waren Geschäftsleute, die mit Kindern handelten, weil sie damit sehr viel Geld machen konnten.“ [5]

Ferner weist Becker darauf hin, dass auch „Zeugin X3“ über rituelle Gewalterfahrungen im Zeitraum zwischen 1950 und 1962 berichtet habe [5] – Dutroux wurde aber erst 1957 geboren und scheidet somit als Täter in dieser Zeitspanne aus. Ob es andere Verurteilungen aufgrund der Aussage von „Zeugin X3“ gab, ist uns nicht bekannt.

Quellen:
[1] Persönliches Telefonat vom 11.1.2017.
In diesem Telefonat erklärte uns der Autor des Artikels, Benelux-Korrespondent der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung, Helmut Hetzel, unter anderem, dass diese Zeugin im Fernsehen die Frau gewesen sei, die später als „Zeugin X1“ im Dutroux-Prozess geführt wurde.
[2] Zeitungsartikel Hannoversche Allgemeine Zeitung 30.12.1996, „Dutroux soll auch Sekten des Satans beliefert haben“, von Helmut Hetzel, der Artikel liegt uns als Nachdruck in einem Info-Brief für Sektenberater aus dem Jahre 1997 vor
[3] Buch Fromm, Rainer, „Satanismus in Deutschland“, Olzog Verlag München 2003, S. 10f.
[4] PDF-Dokumentation von Stolzenberger, Jörg, „Aufklärungsgruppe Krokodil“, „Der Fall Marc Dutroux – Der Mittäter Bernhard Weinstein, gewisse Zeugenaussagen und die angeblich satanistischen Hintergründe – Teil 2“, online gestellt 2004, abgerufen am 15.12.2016
[5] Buchartikel von Becker, Thorsten, „Rituelle Gewalt: Was wir über Gewalt ausübende, ideologische Kulte, Täter und Täterstrukturen wissen – eine Betrachtung“, in „Handbuch Rituelle Gewalt“, Hg. von Claudia Fliß und Claudia Igney, Pabst Science Publishers, Lengerich 2010, Seite 111


Soziale und gesellschaftliche Faktoren


Die Ereignisse um den Fall Dutroux erschütterten Belgien, aber auch viele andere Länder in Europa bis in die politischen Kreise.

Der Nordeuropa-Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Dirk Schümer, veröffentlichte bereits 1997, ein Jahr nachdem Dutroux verhaftet worden war, ein Buch mit dem Titel „Die Kinderfänger – Ein belgisches Drama von europäischer Dimension“ und zieht eine Verbindung des Falles zur politischen Situation der EU:

„Nicht zuletzt stellt dieser Skandal auf völlig neue Weise die Frage nach den Kompetenzen und der Bedeutung der Nationalstaaten. Belgien, 1830 als Kunstnation zusammen geschmiedet und heute heillos in einen flämischen und einen wallonischen Teil zerfallen, bietet ein paradoxes Beispiel für die Zukunft Europas: Auf der einen Seite ist das Land Vorreiter und Hauptsitz der Europäischen Union, auf der anderen Seite festigen sich gerade hier partikularistische Strukturen und drohen den Staat zum Verschwinden zu bringen. Genau diese Lücke haben Dutroux und seine Helfershelfer genutzt.“ [1]

Folgen der Dutroux-Affäre im „politischen Belgien“ [2]:

  • 1996: Das belgische Parlament beschloß parallel zu den Ermittlungen einen eigenen Untersuchungsausschuss. Sitzungen dieses Ausschusses wurden im Fernsehen übertragen. Der erste Bericht wurde im April 1997 vorgelegt und benannte notwendige Reformen des belgischen Politik- und Justizsystems. [2] Der einzige Politiker, den der Ausschuß als einer der Verantwortlichen für die Pannen im Fall Dutroux genannt hatte, kam ungeschoren davon: Der frühere Justizminister wurde für einen wohldotierten Richterposten am Europäischen Gerichtshof nominiert. [3]
  • 30.10.1996: 300.000 Menschen zogen stumm beim sogenannten „Weißen Marsch“ durch Brüssel. Sie protestieren damit gegen Ermittlungspannen und Vertuschungsversuche, über die in der Presse berichtet worden war.
  • August 1997: Der neue Untersuchungsausschuss stellte fest, dass Aussagen einer Zeugin über pädokriminelle Sex-Abende mit Verbindungen zum belgischen Königshaus in keinem Bericht zugelassen worden waren.
  • Februar 1998: Der Untersuchungsausschuss kam zu dem Ergebnis, dass Dutroux nicht von hohen Persönlichkeiten gedeckt worden ist, aber seine Taten durch Korruption, Pannen und Schlampereien begünstigt worden sind. Die belgische Regierung beschloß daraufhin eine Polizeireform. Der belgische Ministerpräsident lehnte einen Rücktritt ab.
  • 1998: Nachdem Dutroux aus der Untersuchungshaft fliehen konnte, traten der Innenminister, der Justizminister und ein Polizeichef von ihren Ämtern zurück.
  • Juli 1998: Das Parlament verwehrte dem Untersuchungsausschuss per Beschluss den Zutritt ins eigene Archiv.

Quellen:

[1] Buch Schümer, Dirk, „Die Kinderfänger – Ein belgisches Drama von europäischer Dimension“, Wolf Jobst Siedler Verlag Berlin 1997, Seite 2
[2] Alle folgenden Informationen aus PDF-Dokumentation von Stolzenberger, Jörg, „Aufklärungsgruppe Krokodil“, „Der Fall Marc Dutroux – Der Mittäter Bernhard Weinstein, gewisse Zeugenaussagen und die angeblich satanistischen Hintergründe – Teil 1“, online gestellt 2004, abgerufen am 15.12.2016
[3] Zeitungsartikel Der Tagesspiegel 11.8.1997, „Niemand hat die Bilder vergessen“, abgerufen am 28.12.2016

 


Mediale Einflüsse und Folgen


Zu Dutroux sind Dutzende Bücher und Filme erschienen, die im Internet mit den üblichen Suchmaschinen zu finden sind. Deshalb listen wir sie hier nicht im einzelnen auf.

Für Aufregung in Belgien sorgte 2003 die französischsprachige Ausgabe des Gesellschaftsspiels „Wer wird Millionär?“ Auf einer Fragekarte des Spiels wurde nach Dutrouxs ursprünglichem Beruf gefragt. „Zahnarzt, Automechaniker, Versicherungsvertreter oder Elektriker?“ Wer die Frage richtig beantwortete, konnte 500.000 Franken Spielgeld gewinnen. Spielehersteller Jumbo machte Endemol, die Produktionsfirma der gleichnamigen Fernsehsendung, für diese Karte verantwortlich. Alle Fragen würden aus der TV-Show übernommen. [1] Dutroux wurde somit noch vor seiner Verurteilung 2004 bereits zu einem Teil der Pop-Kultur wie andere Serienmörder und Straftäter.

Quellen:
[1] Zeitungsartikel Berliner Morgenpost 9.1.2003, „Empörung in Belgien über Quiz-Frage“ (kostenpflichtig), abgerufen 6.12.2016