Von Tübingen nach Prag, um Taxifahrer zu töten

Im Mai 2014 werden zwei junge Männer aus Rottenburg/Kreis Tübingen, verurteilt, weil sie in Prag einen Taxifahrer getötet haben. Die beiden interessierten sich für Satanismus und Vampirismus und nannten den Wunsch nach Blutrausch als Motiv.

Tatzeit von:


8. Juni 2013

Tatzeit bis:


8. Juni 2013

Urteil/Anlass Datum:


27. Mai 2014

Stadt:


Prag, Täter kommen aus Rottenburg, Kreis Tübingen

Bundesland/Landstrich:


Baden-Württemberg

Land:


Deutschland, Tschechien

Ist Rituelle Gewalt in Deutschland strafbar?


Der 22jährige Täter bekam vom Landgericht Tübingen wegen Mordes eine lebenslängliche Freiheitsstrafe, der 17jährige Täter erhielt 10 Jahre Jugendstrafe. [1]

Zur Tatzeit waren sie 16 und 21 Jahre alt. Vom Prozess, in dem 70 Zeugen gehört wurden, wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen.

Die beiden Täter hatten ihr Opfer mit einem Beil und einem Schraubenschlüssel auf einem Prager Friedhof erschlagen. Zuvor hatten sie sich von diesem Taxifahrer dort hinbringen lassen. [1] Bei ihrer Verhaftung gestanden sie die Tat [2], im Prozess hingegen schwiegen sie. [3] Nach dem Mord nahmen sie ihrem Opfer Wertgegenstände ab und flüchteten mit dem Taxi. [4] Dies ließen sie einen Tag später zurück und führen mit dem Zug nach Deutschland, wo sie verhaftet wurden, weil die tschechische Polizei ein Schreiben mit ihrem Namen im Taxi fand. [5]

Der Staatsanwalt berichtete in seiner Anklageschrift, die beiden hätten ein ausgeprägtes Interesse am Satanismus und Vampirismus gehabt. Sie sollen sich extrem gewalttätige Filme aus dieser Szene angeschaut haben. [1] Ferner hätten sie sich selbst als „das Böse“ bezeichnet und eine solche Bluttat gegenüber ihren Ärzten und Betreuern mehrfach angekündigt. [2] Ansonsten seien sie aggressiv verhaltensauffällig, aber nicht vorbestraft gewesen. [4] Im Verlaufe der Gerichtsverhandlung aber, so schrieb Bild.de, habe die Staatsanwaltschaft keine objektiven Anhaltspunkte dafür gesehen, dass die Männer wegen ihrer satanistischen Neigungen töteten. [3]

Der tschechische Anwalt der Hinterbliebenen des Opfers wurde von Focus-Online mit der Aussage zitiert, dass es sich um „keinen normalen Mord“ gehandelt hätte, sondern dass das Motiv gewesen sei, sich an der Vernichtung eines Menschen zu ergötzen. [3]

Quellen:
[1] Artikel auf Spiegel Online vom 28.5.2014, „Höchststrafen für junge Männer aus Baden-Württemberg“, abgerufen am 11.5.2017
[2] Artikel auf Focus Online vom 7.4.2014, „Satanisten kündigten Bluttat mehrfach an“, abgerufen am 11.5.2017
[3] Artikel auf Bild.de vom 28.5.2014, „Höchststrafen für Satanisten-Mörder“, abgerufen am11.5.2017
[4] Online-Artikel im „Schwarzwälder Boten“ vom 31.3.2014, „Prozessbeginn nach Satanistenmord in Prag“, abgerufen am 11.5.2017
[5] Artikel auf Focus.de vom 9.4.2014, „Nach Kneipenbesuch: Durst auf Blut“, abgerufen am 11.5.2017

 


Ist Rituelle Gewalt im Ausland strafbar?


Obwohl der Mord in Prag stattfand, standen die beiden Männer vor dem Tübinger Landgericht.


Sind Menschen bei Ritueller Gewalt getötet worden?


Der getötete Taxifahrer war 38 Jahre alt, Student und Familienvater. Er erlitt laut Medienberichten 42 Hiebverletzungen, die meisten am Kopf. [1]Quellen:
[1] Artikel auf Focus Online vom 7.4.2014, „Satanisten kündigten Bluttat mehrfach an“, abgerufen am 11.5.2017


Sind Kinder an Ritueller Gewalt beteiligt?


Einer der beiden Täter war zum Tatzeitpunkt 16, bei Verurteilung 17 Jahre alt. [1]

Quellen:
[1] Artikel auf Spiegel Online vom 28.5.2014, „Höchststrafen für junge Männer aus Baden-Württemberg“, abgerufen am 11.5.2017


Wer sind die Täter/innen?


Die Täter waren schon als Kinder wegen hoher Aggression in Jugendhilfeeinrichtungen oder psychiatrischen Einrichtungen untergebracht. Dort lernten sie sich auch kennen. [1]

Mehr Details zu Diagnosen und Persönlichkeitsbeschreibungen finden Sie unter „Psychologische und Medizinische Hintergründe“.

Quellen:
[1] Artikel auf Focus.de vom 9.4.2014, „Besessen von Harry-Potter-Hexe“, abgerufen am 11.5.2017


Gibt es Kannibalismus?


Einer der Täter äußerte extrem gewalttätige und konkrete Gewaltphantasien, die auch Kannibalismus beinhalteten, gegenüber der Konkrektorin seiner Schule, berichtete Focus Online. Bei der Tat selbst wurde aber kein Kannibalismus nachgewiesen. [1]

Quellen:
[1] Artikel auf Focus Online vom 7.4.2014, „Satanisten kündigten Bluttat mehrfach an“, abgerufen am 11.5.2017

 


Psychologische / medizinische Hintergründe


Laut Presseberichten befanden sich die beiden Täter seit ihrer Kindheit in psychiatrischer Behandlung, und lebten nach Klinikaufenthalten inzwischen gemeinsam in einer betreuten Wohngruppe. [1]

Sie lernten sich zwei Jahre vor der Tat in einer dieser Einrichtungen kennen. [2]

Bild.de berichtete, der 22jährige Täter habe einen IQ von 109 gehabt und einer Psychlogin erzählt habe, dass es ein „Monster in ihm“ gebe. Außerdem habe er sich für die böse Hexe Bellatrix Lestrange aus den Harry Potter Büchern gehalten und sich teilweise auch mit diesem Namen ansprechen lassen. Außerdem gebe es eine Diagnose, er habe eine „schwere schizotypische Störung“. [2]

Über den während des Prozesses 17jährigen Täter schrieb Bild.de, er leide unter „Asperger Autismus und einer Persönlichkeitsstörung mit narzisstischen und dissozialen Zügen“. [2]

Focus-Online hingegen berichtete, beide Täter hätten eine Diagnose „Asperger Autismus“ gehabt. [3]

Quellen:
[1] Artikel auf Focus.de vom 7.4.2014, „Satanisten kündigten Bluttat mehrfach an“, abgerufen am 11.5.2017
[2] Artikel auf Bild.de vom 28.5.2014, „Höchststrafen für Satanisten-Mörder“, abgerufen am11.5.2017
[3] Artikel auf Focus.de vom 9.4.2014, „Besessen von Harry-Potter-Hexe“, abgerufen am 11.5.2017

 


Religiöse und Ideologische Hintergründe


Die beiden Täter hatten sich laut Staatsanwaltschaft intensiv mit Satanismus und Vampirismus beschäftigt und entsprechende Filme geschaut. [1]

Dabei scheinen eher Pop-Kultur-Vorlagen prägend für sie gewesen zu sein als eine religiöse oder historische Auseinandersetzung, denn einer der Täter hielt sich für die „böse Hexe“ aus den Harry Potter Filmen. [2]

Quellen:
[1] Artikel auf Spiegel Online vom 28.5.2014, „Höchststrafen für junge Männer aus Baden-Württemberg“, abgerufen am 11.5.2017
[2] Artikel auf Focus.de vom 9.4.2014, „Besessen von Harry-Potter-Hexe“, abgerufen am 11.5.2017


Mediale Einflüsse und Folgen


Beim Konsum von Gewaltfilmen und gewaltverherrlichender Musik sollen die Täter laut Staatsanwaltschaft konkrete Gewalt- und Tötungsphantasien entwickelt haben. Einer der beiden hat sich angeblich mit einer Hexe aus den Harry Potter Romanen identifiziert und ließ sich auch mit ihrem Namen ansprechen. [1]

Quellen:
[1] Artikel auf Focus.de vom 9.4.2014, „Besessen von Harry-Potter-Hexe“, abgerufen am 11.5.2017