Der sogenannte „Satansmord“ von Witten – Daniel und Manuela Ruda

Im Januar 2002 wird das Ehepaar Daniel und Manuela Ruda verurteilt, am 6.7.2001 in Witten einen Arbeitskollegen von Daniel im Namen Satans ermordet zu haben.

Tatzeit von:


6. Juli 2001

Tatzeit bis:


6. Juli 2001

Urteil/Anlass Datum:


31. Januar 2002

Stadt:


Witten

Bundesland/Landstrich:


Nordrhein-Westfalen (NRW)

Land:


Deutschland

Ist Rituelle Gewalt in Deutschland strafbar?


Verurteilt wurde das Ehepaar Ruda nach nur sieben Verhandlungstagen für „gemeinschaftlichen und heimtückischen Mord“ – Daniel Ruda zu einer Haftstrafe von 15 Jahren, Manuela zu 13 Jahren. Nach Ansicht des Gerichtes und laut ihren eigenen Geständnissen haben sie einen Arbeitskollegen von Daniel am 6.7.2001 in ihre Wittener Wohnung gelockt und dort mit Messerstichen, Hammer- und Machetenhieben getötet.

Die Wohnung war mit satanistischen Symbolen und Gegenständen dekoriert und das Täter-Paar inszenierte sich vor Gericht in den sieben Verhandlungstagen vor Fernsehkameras und Fotograf/innen spektakulär als gläubige Satanisten.

Fundort der Leiche und Flucht

Hartnäckig hält sich bis heute in der Berichterstattung die Information, dass es 66 Messerstiche, Hammerschläge und Machetenhiebe gewesen seien. [1],[2],[4] usw.  Diese Zahl hatte der Staatsanwalt am 11.7.2001 in der ersten Pressekonferenz zu diesem  Mordfall genannt. [2] Im Laufe des Prozesses allerdings erklärte der Gerichtsmediziner, dass das ein „Zufallsbefund“, quasi eine Schätzung gewesen sei. Die Leiche sei so zugerichtet gewesen, dass einzelne Stiche oder Hiebe gar nicht mehr hätten unterschieden werden können. Identifiziert wurde der Mann anhand seiner DNA. [3] Trotzdem sind die 66 Messerstiche quasi zu einem „Markenzeichen“ dieser Tat geworden, weil die Zahl so „malerisch“ zur Zahl des Teufels aus der Bibel (666) passt.

Diverse Medien berichten, an der Wand neben der Leiche hätten die Ermittler eine Liste mit 15 Namen gefunden, als die Rudas auf der Flucht waren, darunter den Namen der Mutter von Sandro Beyer. Die Polizei habe kurzfristige Schutzmaßnahmen für diese Menschen eingeleitet.  [5]

Gefasst wurden sie nach einer fünftägigen Flucht in Jena/Thüringen. Kurz zuvor hatten sie in Sondershausen das Grab von Sandro Beyer gesucht (aber wohl nicht gefunden), mit Pistolen eine Apotheke überfallen und in einem Baumarkt eine Kettensäge gekauft. [Quelle: diverse Medienberichte]

Nach dem Urteil

Beide sollten aus der Untersuchungshaft in den Maßregelvollzug, also in eine Forensische Psychiatrie, überführt werden. Es war aber wegen Überbelegung der Justizvollzugsanstalten keine geeignete Unterbringung zu finden, so dass die beiden im Februar 2003, drei Monate nach der Rechtsgültigkeit des Urteils, fast wieder hätten entlassen werden müssen. Quasi im letzten Moment wurde Daniel Ruda nach Düren, Manuela Ruda nach Lippstadt-Eickelborn gebracht. [1]

Geständnisse und Widerrufungen

Im Gerichtsverfahren und haben beide die Tat gestanden. Allerdings beriefen sie sich darauf, Satan habe ihnen den Mord befohlen. Sie seien nur ein Werkzeug gewesen. [6] In seinem später veröffentlichten Buch widerruft Daniel Ruda dieses Geständnis. Er habe nie an Satan geglaubt und mit seinem Geständnis nur seine Frau Manuela schützen wollen. Eigentlich sei er bei der Tat nicht mal im gleichen Zimmer gewesen. Manuela hätte es entweder allein getan oder mit Hilfe von Menschen, die sich zur Tatzeit im oder um das Haus aufgehalten hätten. [7]

Manuela Ruda kehrte sich laut einem ZDF-Bericht 2006 vom Satanismus ab und erwirkte ein paar Hafterleichterungen. [4] In einem Buchartikel 2008 bekräftigte sie ihr Schuldanerkenntnis:

„Ich habe in dieser Phase meines Lebens einem unbeteiligten Menschen sein Leben genommen. Das ist die Schuld und die Verantwortung, die ich zu tragen habe, und zwar für den Rest meines Lebens. Diese schlimme Erfahrung erinnert mich immer wieder daran, dass es leichtfertig und respektlos ist, unbedacht oder geringschätzig mit Leben, Tod und dem Begriff der Gewalt umzugehen. Eine solche Erfahrung lässt es nicht zu, mit solchen ernsten Themen weiterhin zu spielen.“ [8]

Daniel Ruda verweigerte eine forensische Therapie und musste seine Haftstrafe vollständig erfüllen. Mehrere Anträge auf Hafterleichterung oder -verkürzung wurden abgelehnt. [9], [10]

Im Frühjahr 2017 stand er erneut vor Gericht. Er wurde angeklagt, weil er laut Staatsanwaltschaft angeblich aus dem Gefängnis heraus eine Brieffreundin zum Mord an seiner Ex-Frau Manuela aufgefordert habe. Diese Brieffreundin als Hauptbelastungszeugin verstrickte sich aber in Widersprüche, so dass Daniel Ruda am 1.6.2017 von diesem Vorwurf freigesprochen wurde. Bemerkenswert: Im Rahmen dieser Verhandlung gab er öffentlich zu, den Mord an seinem Arbeitskollegen 2001 begangen zu haben. [11] Damit widerrief er offensichtlich die Aussagen in seinem Buch (s.o.).

Im Sommer 2017 kommt er aus dem Gefängnis frei, weil er seine Haftzeit aus dem Mordprozess bereits im Sommer 2016 verbüßt hatte. Das neue Verfahren wegen angeblicher Anstiftung zum Mord hatte seine Haftzeit verlängert. [11] Im Zuge der Berichterstattung über diesen Nachfolgeprozess wurde außerdem bekannt, dass er einen neuen Namen angenommen hat. Er ließ aber erneut ausdrücklich Fotos aus dem Gerichtssaal zu, auf denen er mit neuer Frisur und Bart zu erkennen ist. [12] Er scheint also nach der Freilassung nicht inkognito leben zu wollen, sondern nimmt, anders als seine Ex-Frau Manuela, eine öffentliche Identifizierung in Kauf.

Quellen:
[1] Zeitungsartikel Rhein-Zeitung online, 7.2.2003, „Satanisten-Paar in Psychiatrie verlegt“, abgerufen am 11.11.2016
[2] Fernsehbeitrag WDR, Aktuelle Stunde, 11.7.2001 (nicht mehr online verfügbar, Stand November 2016)
[3] Buch Grandt, Guido, „Der Satan von Witten“, Knaur-Verlag München 2007
[4] Fernsehbeitrag Rainer Fromm, Aspekte, ZDF, 7.4.2006, „Manuela Ruda heute“ (Link zu Youtube, abgerufen am 9.11.2016)
[5] Buch Grandt, Guido, „Der Satan von Witten“, Knaur-Verlag München 2007, S. 225
[6] Buch Grandt, Guido, „Der Satan von Witten“, Knaur-Verlag München 2007. S. 226f.
[7] Buch Ruda, Daniel, „Fehlercode 211“, Verlag Haag und Herchen Hanau, 2004, hier wiedergegeben nach Buch Grandt, Guido, „Der Satan von Witten“, Knaur Verlag München 2007, S. 233f. und Buch Möller, Melanie, „Satanismus als Religion der Überschreitung“, diagonal-Verlag Marburg 2007, S. 143f.
[8] Buchartikel Ruda, Manuela, „Dead End – Die Leidenschaft der Dunkelheit“, in Buch: Fromm, Rainer, „Schwarze Geister, Neue Nazis“, Olzog Verlag München 2008, S. 323
[9]Artikel „Satanisten-Mörder muss seine Strafe vollständig absitzen“, Bild Online-Ausgabe 11.2.2015, abgerufen am 11.11.206
[10] Online-Meldung Radio Vest vom 15.1.2016, „Satanistenmörder bleibt vorerst im Gefängnis“, abgerufen am 11.11.2016
[11] Online-Artikel der Augsburger Allgemeinen vom 2.6.2017, „Freispruch für ‚Satanisten von Witten“, abgerufen am 2.6.2017
[12] Online-Artikel auf wdr.de vom 1.6.2017, “ ‚Satanist von Witten‘: Freispruch von neuer Anklage“, abgerufen am 2.6.2017

 


Sind Menschen bei Ritueller Gewalt getötet worden?


Der Mord der Rudas hatte keine sexualisierte Komponente und es ist auch nicht bekannt, dass die Tat in einem Zusammenhang mit irgendeiner größeren kultischen Organisation gestanden hätte. Insofern lässt sich diskutieren, ob diese Tag als ein „reiner Satansmord“ zweier Einzeltäter in die Rubrik Rituelle Gewalt gehört. Um die Brisanz destruktiver Weltanschauungen wie Satanismus deutlich zu machen, und weil diese Tat die wohl spektakulärste öffentliche Sichtbarkeit von Satanismus in der jüngeren Deutschen Geschichte darstellt, haben wir den Fall mit aufgenommen.


Wer sind die Täter/innen?


Daniel und Manuela Ruda stammten aus der so genannten „Schwarzen Szene“ (mehr darüber bei diesem Fall unter „Religiöse oder ideologische Hintergründe“). Anfang der 2000er Jahre wurden sie auch als „Gothics“ oder „Grufties“ bezeichnet. Manuela Ruda wandte sich schon als Jugendliche der Gothic-Szene zu und bezeichnete sich selbst bis 2006 als Anhängerin des Satanismus. [1] Sie fühlte sich als Vampirin. [2] Sie arbeitete als Kellnerin und Model für SM- und Domina-Fotos schon bevor sie 18 Jahre alt war. In der Szene war sie unter dem Namen „Allegra“ bekannt und sang zeitweise auch in einer Black Metal Band. [2]

Als sie Daniel Ruda kennen lernt, ist dieser bereits vorbestraft wegen Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole und unerlaubtem Waffenbesitz. Das war während seiner Zeit als Unterstützer der NPD. Bis kurz vor dem Mord arbeitete er als Autoverkäufer. [3]

Quellen:
[1] Zeitungsartikel Süddeutsche Zeitung vom 30.1.2002, „Ein Paar, das den Tod brachte“
[2] ZDF-Bericht aus der Sendung „Aspekte“, „Manuela Ruda heute„, ausgestrahlt am 7.4.2006
[3] Buch Grandt, Guido, „Der Satan von Witten“, Knaur-Verlag München 2007


Gibt es Kannibalismus?


Bei der Mordtat der Rudas war kein Kannibalismus involviert. Manuela Ruda allerdings hielt sich für einen Vampir. [1]

In einem Buchartikel 2008 beschrieb Manuela Ruda, dass Menschen, die sich für Vampire halten, auch Blut von Menschen trinken. Ob sie selbst das jemals getan hat oder ob das ein Teil der Tötung 2001 war, für die sie ins Gefängnis kam, lässt sie offen. [2] (Mehr über Vampirismus in diesem Fall unter „Religiöse und ideologische Hintergründe“)

Guido Grandt beschreibt in seinem Buch „Der Satan von Witten“ [3], dass die Rudas häufiger davon sprachen, im Rahmen ihres Hineinsteigerns in die schwarze Szene gegenseitig ihr Blut getrunken zu haben.

Quellen:
[1] Fernsehbeitrag Rainer Fromm, Aspekte, ZDF, 7.4.2006, „Manuela Ruda heute“ (Link zu Youtube)
[2] Buchartikel Ruda, Manuela, „Dead End – Die Leidenschaft der Dunkelheit“, in Buch: Fromm, Rainer, „Schwarze Geister, Neue Nazis“, Olzog Verlag München 2008, S. 308ff.
[3]  Buch Grandt, Guido, „Der Satan von Witten“, Knaur-Verlag München 2007


Psychologische / medizinische Hintergründe


Im Prozess präsentierten sie sich als gläubige Satanisten (siehe religiöse und ideologische Hintergründe). Der Gerichtsgutachter bescheinigte beiden eine verminderte Schuldfähigkeit und eine „narzisstische Persönlichkeitsstörung“. [1]


Weiter wird der Gutachter zitiert:

„Die wegen Mordes angeklagten Wittener seien beziehungsunfähig gewesen und hätten sich in ihren verqueren Überzeugungen ergänzt. Beide seien auf die Aufmerksamkeit von außen angewiesen gewesen. Sie hätten sich in Tagträume geflüchtet, sich immer weiter von der Außenwelt abgekapselt und sich mit einer Aura des Schreckens umgeben. Spaß und Freunde [2] konnten Manuela und Daniel Ruda kaum empfinden. Um die Partnerschaft zu retten, sei eine ständige Steigerung notwendig gewesen. Am Ende hatten sie den Gedanken, einen Menschen zu töten, um Frieden zu finden.“

Daniel Ruda soll überdurchschnittlich intelligent gewesen sein (IQ 119), schriebt die Süddeutsche Zeitung. [3] In der Haft verweigerte eine forensische Therapie [4] und veröffentlichte aus der Haft heraus ein Buch, in dem er Manuela die gesamte Verantwortung für die Tat zuschreibt. Er sagt in diesem Buch, er sei überhaupt nicht im Zimmer gewesen und habe das Geständnis bei Gericht nur abgelegt, um Manuela zu schützen. [5]

Manuela Ruda verbüßte Ihre Haftzeit im Maßregelvollzug und kehrte sich laut einem ZDF-Bericht nach vier Jahren Therapie vom Satanismus ab und forderte Anhänger/innen der Schwarzen Szene auf, sie nicht weiter zur Heldin zu machen. Wörtlich: „Ich bin Straftäter.“ [6] In einem Buchartikel 2008 bekräftigt sie ihre Schuld:

„Ich habe in dieser Phase meines Lebens einem unbeteiligten Menschen sein Leben genommen. Das ist die Schuld und die Verantwortung, die ich zu tragen habe, und zwar für den Rest meines Lebens. Diese schlimme Erfahrung erinnert mich immer wieder daran, dass es leichtfertig und respektlos ist, unbedacht oder geringschätzig mit Leben, Tod und dem Begriff der Gewalt umzugehen. Eine solche Erfahrung lässt es nicht zu, mit solchen ernsten Themen weiterhin zu spielen.

Meine Ansichten und Einstellungen haben sich durch das Delikt stark verändert. Früher hat mir oft der Blick für Wirkungen und Konsequenzen von Handlungen und Umgehensweisen gefehlt. Ich war geraume Zeit der (trügerischen) Meinung, ich hätte alles im Griff. Die Realität hat mich auf ziemlich brutale Weise eingeholt und einen Menschen darüber hinaus das Leben gekostet.

Diese Tat kann ich nicht rückgängig machen. So sehr ich sie zum jetzigen Zeitpunkt auch bereue, ich kann dem Tatopfer nicht mehr helfen. Es fühlt sich unerträglich an, mit dieser Gewissheit zu leben.“ [7]

Quellen:
[1] Zeitungsartikel Neue Westfälische vom 25.1.2002, „Wiederholung möglich“
[2] Im Original-Artikel [3] steht tatsächlich „Freunde“, auch wenn hier „Freude“ näher zu liegen scheint.
[3] Zeitungsartikel Süddeutsche Zeitung vom 30.1.2002, „Ein Paar, das den Tod brachte“
[4] Artikel „Satanisten-Mörder muss seine Strafe vollständig absitzen“, Bild Online-Ausgabe 11.2.2015
[5] Buch Ruda, Daniel, „Fehlercode 211“, Verlag Haag und Herchen Hanau, 2004, hier wiedergegeben nach Buch Grandt, Guido, „Der Satan von Witten“, Knaur Verlag München 2007 und Buch Möller, Melanie, „Satanismus als Religion der Überschreitung“, diagonal-Verlag Marburg 2007, S. 143f.
[6] ZDF-Bericht aus der Sendung „Aspekte“, „Manuela Ruda distanziert sich vom Satanismus“, ausgestrahlt am 7.4.2006
[7] Buchartikel Ruda, Manuela, „Dead End – Die Leidenschaft der Dunkelheit“, in Buch: Fromm, Rainer, „Schwarze Geister, Neue Nazis“, Olzog Verlag München 2008, S. 323


Religiöse und Ideologische Hintergründe


Im Prozess gaben sie an, diesen Mord in Satans Auftrag begangen zu haben.  Daniel Ruda hatte während seiner Bundeswehrzeit Kontakt zu Neonazis und arbeitete als Wahlhelfer für die NPD.

Aus dieser Szene war er aber schon ausgestiegen, bevor er Manuela kennen lernte.

Neonazi oder nicht?

Vertreter der Bochumer Antifa untersuchen kurz nach der Tat Daniel Rudas Neonazi-Verbindungen. [1] In einem Artikel einer Bochumer Studentenzeitung dazu wird ein Antifa-Vertreter zitiert mit der Kritik:

„Auch dem Bochumer Staatsschutz dürfte bekannt sein, dass immer mehr Neonazis sich in der sogenannten Dark-Wave- und Gruftie-Szene tummeln. Ein Blick in den aktuellen Verfassungsschutzbericht bestätigt das. Es kann nicht angehen, dass die Ermittler zwar die Existenz von Hakenkreuzen und SS-Ruhnen in der Mordwohnung zugeben, aber bei allen weiteren Dingen mauern. Die mutmaßlichen Täter als pathologische Fälle abzustempeln, ist verkürzt. Vielmehr spiegelt auch dieser Mord, … das Menschen verachtende Weltbild der neonazistischen Szene wieder.“ [1]

Manuela Ruda beschreibt später in einem Buchartikel, von Menschen aus der NBSM (National Socialist Black Metal)-Szene beeinflusst worden zu sein (siehe unten, Zitat bei „Vampirismus“).

Teufelsglaube oder nicht?

Daniel Ruda schrieb 2004 in einem Buch, das er in der Haft veröffentlichte, dass er die Stimme des Teufels vor Gericht erfunden habe, um seine Frau zu schützen, die die eigentliche Schuld an diesem Mord trage. Er selbst sei kein Satanist gewesen. [2]

Manuela Ruda wandte sich mit 13 Jahren der „Schwarzen Szene“ oder Gothic-Szene zu und bezeichnete sich selbst bis 2006 als Anhängerin des Satanismus. [3] Außerdem fühlte sie sich als Vampirin (Details dazu siehe unten). [3] In einem Buchartikel 2008 beschrieb sie selbst die „Schwarze Szene“ so:

„Das schwarze Schönheitsideal ist geprägt von barocken Gewändern, Samt, Farben wie schwarz, lila, Gold, Kerzenscheinromantik, dem Reiz verfallener Bauwerke und alter Kirchen, dunklen Wäldern, Mystik, tiefer Sehnsucht und Theatralik. Die weitverbreitete Vorliebe für Friedhöfe mag mit dem Gefühl für Vergänglichkeit oder auch mit dem Sinn für Dramaturgie und Tragik zusammenhängen.“ [4]

Die oft martialische Optik dieser Mode ist auf Schockeffekte ausgelegt. Satanistische Symbole wie das Pentagramm gehören hier eher zum Stil und zur Ästhetik, als dass sie eine wirklich religiöse Bedeutung haben, sagen Sektenexperten. [5]

Im weiteren Verlauf ihres Gastartikels macht Manuela Ruda aber deutlich, dass die Gefahr, dass Satanist/innen gewalttätig werden oder Sachbeschädigung betreiben, durchaus ideologisch begründet ist:

„Der ‚wahre‘ Satanismus fordert keine Tier- oder Menschenopfer, so sagt es auch die Satanische Bibel. Allerdings propagiert er schon eine eindeutige Rücksichtslosigkeit und Anarchie insofern, als dass nach diesen Lehren jeder legitimiert ist, sein eigenes Gesetz zu kreieren, was ein Miteinander faktisch unmöglich macht. Darüber hinaus gibt es freilich noch eine Reihe anderer Interpretationen des Satanismus, die deutlich mehr aktive Gewaltbereitschaft an den Tag legen.

In diesem Sinne müsste der Satanismus jede Handlung eines Menschen rechtfertigen, ist diese doch aus dem freien Willen entstanden und damit rechtmäßig. […]

Der eine trägt ein Pentagramm zur Schau und äußert sich auf diesem Wege indirekt, der andere zündet als aktives Glaubensbekenntnis die nächstgelegene Kirche an. […]

Bei vielen entpuppt sich diese Haltung als vorübergehendes Phänomen, das sich spätestens im Laufe einer Entwicklung von neuen Werten und Zielen wieder verflüchtigt und somit als Phase angesehen werden kann. Andere jedoch finden diese Abgrenzung nicht und es kommt zu einer tieferen Identifikation mit der Thematik. […]

Gibt es Überschneidungen zwischen den beiden Szenen?

Ernstzunehmender Satanismus hat in den meisten Fällen nichts mit der Gothic-Szene zu tun, wo in vielen Bereichen der Aspekt der Pose oder des Images im Vordergrund steht. Ein ‚wahrer‘ Satanist definiert sich für gewöhnlich nicht durch schwarze Gewandung oder demonstrative Kreuze, sondern agiert eher im vor der breiten Öffentlichkeit Verborgenen.“ [6, Hervorhebungen wurden aus dem Original übernommen]

Joachim Keden, Sektenbeauftragter der evangelischen Kirche im Rheinland erklärte 2001 gegenüber der Rheinischen Post, dass allein im Rheinland 300 bis 500 Menschen zu harten Kern des Satanismus gehören, mit steigender Tendenz. Meist sei die Zugehörigkeit zur Gothic-Kultur nur eine Art „Durchgangsstadium“ für Jugendliche. Soziale Rückschläge wie Arbeitslosigkeit könnten aber bei Älteren das Gefühl der Ausweglosigkeit verstärken und in Gewaltfantasien oder Wahnwelten führen. Er führe pro Jahr ca. 300 Gespräche mit Betroffenen und verweist auf die zunehmende Zahl von Kirchen- und Friedhofsschändungen, von denen die Öffentlichkeit oft nichts erfahre.

„Man will keine Unruhe stiften und eventuelle Nachahmer nicht ermutigen.“ [7]

Mit einer generellen Kriminalisierung dieser meist jugendlichen Protestbewegung sollte man dennoch vorsichtig sein, schrieb der evangelische Sektenbeauftragte Ingolf Christiansen. [8] Und Rüdiger Hauth, Sektenbeauftragter der westfälischen evangelischen Kirche, bezeichnet Satan in einem Zeitungsinterview als eine Symbolfigur für die antibürgerliche Subkultur. [9]

Ritualmord oder nicht?

Kurz nach der Verhaftung und nachdem die Rudas die Tat in Vernehmungen gestanden haben, spricht der Staatsanwalt von einem Ritualmord. [10] Aber obwohl die Rudas im Prozess ausführlich ihre religiösen Wahrnehmungen bei der Tat schildern (Manuela Ruda berichtet von der Präsenz von Satan und tanzenden Lichtern) weist der Richter die Bezeichnung „Ritualmord“ ausdrücklich zurück. Er bezeichnet den Satanismus als „mystisches Brimborium“ [11] und „Popanz“, den die Angeklagten erheblich vor sich her geschoben hätten [12] und sagt:

„Es ging in diesem Prozess nicht um Satanismus. Lässt man sich von der Verpackung nicht blenden, ist das Mystische weg. Was bleibt, ist ein gemeines Verbrechen. … Das waren keine echten Wahnvorstellungen. Das waren selbst zurecht gezimmerte Gebilde, und damit sind sie auch nicht schuldunfähig [13].“

Es komme nicht darauf an, was die Angeklagten geglaubt hätten, sondern darauf, ob sie anders hätten handeln können, wird der Richter in der Neuen Westfälischen weiter zitiert. [13], [14]

Der Satansglaube der Rudas wird als Persönlichkeitsstörung gewertet (siehe psychologische und medizinische Hintergründe) und führt zu einem Gutachten über „verminderte Schuldfähigkeit“. Guido Grandt schreibt dazu:

„Eine fatale Einschätzung! Nur weil jemand an Satan glaubt, ist er nicht automatisch vermindert schuldfähig und in seiner Persönlichkeit gestört.“ [15]

Und weiter:

„Wenn man diese Fakten nüchtern betrachtet, dann muss wirklich gefragt werden, was noch geschehen muss, wenn zwei Menschen im Namen Satans einen anderen grausam niedermetzeln, um endlich einen „Ritualmord“ zu akzeptieren? Vielleicht helfen die Worte von Kriminalhauptkommissar Hans-Willy Schäfer von der Kripo Bochum weiter, dem Leiter der damaligen Mordkommission, der mir berichtete, dass Satanismus durchaus eine Rolle in diesem bizarren Mordfall gespielt hat. Die Ermittler hätten sich allerdings mit den Verbindungen im Satanismus so gut wie nicht beschäftigt, weil keine Zeit dazu war!“ [16]

Vampyrismus / Vampirismus

Zur Unterscheidung dieser beiden Begriffe klicken Sie bitte hier. Manuela Ruda fühlte sich selbst phasenweise als Vampirin [3], und diese Selbstwahrnehmung beschriebt sie 2008 in einem Buchartikel auch als viel präsenter und prägender als den Satanismus. [17]

„Ich wusste natürlich, dass ich weder unsterblich war noch flugtauglich, doch das Flair, die Atmosphäre des Vampirdaseins besaß für mich nichtsdestotrotz eine starke Anziehungskraft. Durch meine intensive Anbindung an die Internetpräsenz der Vampire und die starke Identifikation mit der Rollengestalt, die ich repräsentierte, begannen im Laufe der Zeit einige vormals klare Grenzen zu verschwimmen. Die Realität begann, hinter einer Traumwelt zu verblassen. Der Kontakt zu den anderen Vampirgläubigen tat sein übriges, diese Traumwelt zu bestärken. […]

Der Satanismus spielte zunächst eine eher untergeordnete Rolle. Er stand zunächst nicht im Kontext mit dem Vampirismus, denn normalerweise hat dieser nichts mit Konfession oder Religiösität zu tun. […] So habe ich mir z.B. nie in direktem Kontext mit militanten, gewaltsamen Phrasen oder einer Ritualbeschreibung mit Anleitung zur Köperverletzung eine reelle Gewalthandlung vorgestellt. Besonders konkretes Wissen über das Thema Satanismus hatte ich ebenfalls zum damaligen Zeitpunkt noch nicht. […] Ich denke, die zum damaligen Zeitpunkt vorherrschende Grundstimmung meiner selbst und meiner Umgebung hat sich in der Idee des Satanismus kanalisiert und so einen Ausdruck gefunden. Hinzu kam eine Wechselwirkung mit anderen Personen, die hauptsächlich der NSBM-Szene (National Socialist Black Metal) zugehörig und mit deren Ideologien identifiziert waren.“ [17]

Zum einen finden sich laut Manuela Ruda in der Vampir-Szene Live-Rollenspieler/innen, die mit Kartenspielen oder Live-Events unter freiem Himmel die Rolle von Vampiren spielen und sich in Chat-Rooms und Foren im Internet über dieses Hobby austauschen. Bei manchen aber verschwimmen die Grenzen, so Manuela Ruda, so auch bei ihr. Dann schreiben die Anhänger/innen Vampyre mit y statt mit i – zumindest Mitte der 2000er Jahre galt dies als ein Erkennungszeichen, wer es ernst mit der Identifikation meint. Manuela Ruda:

„In diesem Grenzbereich wird es gefährlich, wenn […] es zu einer realen Identifikation mit der Figur des Vampirs kommt. Bei einer solchen Person wird das häufige Spielen eines solchen Rollenspiels den Glauben noch verstärken bzw. den Realitätsverlust noch begünstigen. Das eigentliche Spiel wird zu einer Parallelwelt, der angenommene Charakter im schlimmsten Fall in das wirkliche Leben transferiert. […]

Dies beinhaltet aber in vielen Fällen nicht nur ein reines Beisammensein in barocker Kleidung, sondern auch das kollektive Trinken von (menschlichem) Blut sowie die Ausübung anderer, bedenklicher Praktiken. […] Zwar existiert, sowohl in Schriften als auch in den einschlägigen Internet-Foren, der Grundsatz, dass der Konsum von Menschenblut prinzipiell nur in gegenseitigem Einvernehmen vonstatten gehen darf/soll; auf der anderen Seite ist fast ebenso oft von den ‚Jägern der Nacht‘ die Rede, vom ‚Jagen‘ und von manipulativem Verhalten, das die ‚Gebenden‘ praktisch auf subtile, teils auch sexuelle geprägte Weise dazu überredet, sich Blut entnehmen zu lassen. Unter diesem Aspekt ist es mit der Freiwilligkeit wohl nicht allzu weit her. Weiter erscheinen die Grenzen zwischen der Realität, der Auslebung des Trinkens und Verletzens und der Fiktion sehr dünn. […]

Gerade im vampiristischen Bereich bzw. in der Welt der ‚realen‘ Vampyre kam es in der Vergangenheit häufig zu schweren Delikten. Als in diesem Kontext bekannt gewordene Straftäter wären u.a. Richard Trenton Chase, Nicolas Claux oder Peter Kürten zu erwähnen. Sie alle nahmen das Blut ihrer Opfer zu sich und behaupteten, vampirischer Art zu sein. Einer dieser drei hielt bzw. hält sich in der Gothic Szene auf.“ [18]

Quellen:
[1] Artikel auf BSZ Online, Nr. 528 (18.7.2001), „Satansmörder war NPD-Wahlhelfer“
[2] Buch Ruda, Daniel, „Fehlercode 211“, Verlag Haag und Herchen Hanau, 2004, hier wiedergegeben nach Buch Grandt, Guido, „Der Satan von Witten“, Knaur Verlag München 2007, S. 233f. und Buch Möller, Melanie, „Satanismus als Religion der Überschreitung“, diagonal-Verlag Marburg 2007, S. 143f.
[3] ZDF-Bericht aus der Sendung „Aspekte“, „Manuela Ruda distanziert sich vom Satanismus“, ausgestrahlt am 7.4.2006
[4] Buchartikel Ruda, Manuela, „Dead End – Die Leidenschaft der Dunkelheit“, in Buch: Fromm, Rainer, „Schwarze Geister, Neue Nazis“, Olzog Verlag München 2008, S. 302
[5] Buch Fromm, Rainer, „Satanismus in Deutschland“, Olzog Verlag München, 2003
[6] Buchartikel Ruda, Manuela, „Dead End – Die Leidenschaft der Dunkelheit“, in Buch: Fromm, Rainer, „Schwarze Geister, Neue Nazis“, Olzog Verlag München 2008, S. 304 und 306
[7] Zeitungsartikel Rheinische Post, 13.7.2001, „Satansmörder hatten Waffen schußbereit“
[8] Buch Christiansen, Ingolf, „Satanismus – Faszination des Bösen“, Gütersloher Verlagshaus Gütersloh, 2000, S. 71f.
[9] Artikel epd, 31.1.2002, „Sekten-Experte: Im Satanismus gibt es keinen Mord“
[10] Buch Grandt, Guido, „Der Satan von Witten“, Knaur Verlag München 2007, S. 226
[11] Buch Grandt, Guido, „Der Satan von Witten“, Knaur Verlag München 2007, S. 232
[12] Zeitungsartikel Bremer Nachrichten, 1.2.2002, „Zwei schwer gestörte Menschen“
[13] Zeitungsartikel Neue Westfälische, 1.2.2002, „Das Mystische ist weg“
[14] Anmerkung zum Zitat: Der Richter spielt damit auf den juristischen Unterschied zwischen „schuldunfähig“ und „vermindert schuldfähig“ an. Diese Unterscheidung hat Auswirkungen auf die Höhe des Strafmaßes.
[15] Buch Grandt, Guido, „Der Satan von Witten“, Knaur Verlag München 2007, S. 229
[16] Buch Grandt, Guido, „Der Satan von Witten“, Knaur Verlag München 2007, S. 239
[17] Buchartikel Ruda, Manuela, „Dead End – Die Leidenschaft der Dunkelheit“, in Buch: Fromm, Rainer, „Schwarze Geister, Neue Nazis“, Olzog Verlag München 2008, S. 320ff.
[18] Buchartikel Ruda, Manuela, „Dead End – Die Leidenschaft der Dunkelheit“, in Buch: Fromm, Rainer, „Schwarze Geister, Neue Nazis“, Olzog Verlag München 2008, S. 309f.


Spezielle Orte


Thüringen – Daniel und Manuela Ruda wurden nach fünf Tagen Flucht in der Nähe von Jena/Thüringen gefaßt. Zuvor hatten sie in Sondershausen in Thüringen das Grab von Sandro Beyer besucht. [1]

Quellen:
[1] Diverse Artikel, unter anderem auch Buch Grandt, Guido, „Der Satan von Witten“, Knaur-Verlag München 2007


Soziale und gesellschaftliche Faktoren


Beide wurden zeitweise zu „Helden“ der Schwarzen Szene (Mehr über die „Schwarze Szene“ bei diesem Fall unter „Religiöse und ideologische Hintergründe“). Auf einschlägigen Webseiten, so berichtet Rainer Fromm [1], übertrumpften sich Menschen damit, die beiden Rudas gekannt zu haben, und Devotionalien von den Rudas sollen angeblich sogar auf Ebay versteigert worden sein.

In der ZDF-Fernsehreihe „37 Grad“ beschäftigte sich eine Dokumentation unter dem Titel „Im Dunstkreis der Hölle“ am 16.7.2002 mit der Frage, warum so viele Anhänger/innen der Schwarzen Szene die Rudas bewunderten und die Tat befürworteten. [2] Manuela Ruda beschreibt in einem Buchartikel 2008, welche Ausmaße der „Fankult“ um ihre Person angenommen hat und wie sehr sie das erschreckt hat.

„Die Tatsache, dass sich Menschen mein eigenes Versagen derart zum Vorbild nehmen, dass es ihrerseits zu Delikten kommt, stellt mich nochmals vor die Verantwortung meines eigenen Handelns. Ich möchte diese Verantwortung übernehmen, um aus der Perspektive einer direkt Betroffenen eine Position zu beziehen und ein Zeichen zu setzen, das meiner jetzigen Sicht der Dinge entspricht. Ein Signal vor allem auch für Menschen, die Gefahr laufen, einen falschen Weg einzuschlagen bzw. ihn bereits eingeschlagen haben. Die Tatsache, dass es bereits zu weiteren Tötungen gekommen ist, zeigt mir die Bedeutung wie auch die Dringlichkeit, um eventuell einen kleinen Beitrag zu leisten zur Prävention von weiteren Unglücken. Daher habe ich mich entschlossen, einen Betirag zu diesem Buch zu leisten. Auch wenn gro0ße Teile der (Gothic-)Szene in Nachahmungstaten bzw. -tätern „nur“ eine Minorität sehen – allein zwei Übergriffe auf andere Menschen zeigen meiner Meinung nach einen Handlungsbedarf. Lippstadt, den 8. Mai 2006, Manuela Ruda“ [3]

Nachgewiesene Nachahmungstaten

Im März 2002, kurz nach dem Urteil gegen die Rudas, erstach ein 16jähriger in Olpe seine Eltern. Er hatte zuvor Sympathie mit den Rudas bekundet, das war aber als das Suchen nach Aufmerksamkeit eines „Möchtegern-Satanisten“ eingeschätzt worden. [4]

Ebenfalls 2002 kam es, so bewertet es Manuela Ruda in ihrem Buchartikel 2008 selbst, zu einer weiteren Nachahmungstat. Ein junges Pärchen, 19 und 21 Jahre, hatte einen älteren Mann nachts mit zahlreichen Messerstichen schwer verletzt. In der Wohnung der beiden Täter wurden Bilder und Zeitungsausschnitte der Rudas gefunden. [5]

Im ZDF berichtet im Jahr 2006 die Mutter des ermordeten Kim B., dass er ein großer Fan der Rudas gewesen sei, Bilder von ihnen in seinem Zimmer gehabt habe usw. Er habe irgendwann so berühmt wie die Rudas sein wollen, sagt seine Mutter in diesem Film im O-Ton. [6] Zumindest einer der drei für diesen Mord verurteilten Täter verehrte die Rudas ebenfalls. Die Webseite www.wachss.de zitiert aus dem Urteil des Landgerichtes Kiel:

Als Anfang 2002 vor dem Landgericht Bochum das als „Satanistenmordprozess“ in den Medien bekannt gewordene Verfahren gegen die Eheleute Ruda verhandelt wurde, die einen Bekannten mit einem Hammer und einem Messer getötet hatten, war der Angeklagte davon fasziniert … Fernsehberichte über den Prozess nahm er auf und schnitt sie hinterher auf einer Kassette zusammen.“ [7]

Manuela Ruda beschreibt den Fall Kim B. in ihrem Buchartikel 2008 selbst als eine Nachahmungstat. [8]

Quellen:
[1] Buch Fromm, Rainer, „Satanismus in Deutschland“, Olzog-Verlag 2003, S. 96ff.
[2] Der Film ist leider nicht mehr im Internet zu finden (Stand November 2016)
[3] Buchartikel Ruda, Manuela, „Dead End – Die Leidenschaft der Dunkelheit“, in Buch: Fromm, Rainer, „Schwarze Geister, Neue Nazis“, Olzog Verlag München 2008, S. 32f.
[4]Zeitungsartikel Rheinische Post, 25.3.2002, „16jähriger ersticht seine Eltern“
[5] Buchartikel Ruda, Manuela, „Dead End – Die Leidenschaft der Dunkelheit“, in Buch: Fromm, Rainer, „Schwarze Geister, Neue Nazis“, Olzog Verlag München 2008, S. 318
[6] ZDF-Bericht aus der Sendung „Aspekte“, „Manuela Ruda distanziert sich vom Satanismus“, ausgestrahlt am 7.4.2006
[7] Urteil Aktenzeichen Landgericht Kiel (Az. II KLs (37/02) 569 Js 20698/02), zitiert nach Webseite http://www.vachss.de/mission/berichterstattung/rituell.html, abgerufen am 11.11.2016
[8] Buchartikel Ruda, Manuela, „Dead End – Die Leidenschaft der Dunkelheit“, in Buch: Fromm, Rainer, „Schwarze Geister, Neue Nazis“, Olzog Verlag München 2008, S. 317f.


Mediale Einflüsse und Folgen


Die Medienaufmerksamkeit für diesen Fall war riesig. Die Prozesstage wurden von Fernsehsendern, Zeitungen und Fotograf/innen intensiv begleitet. Das Medieninteresse haben die beiden Täter mit eindeutigen Handzeichen und Blicken auch bedient. So wurden die Medien zum Gegenstand öffentlicher Kritik. 

Fotograf/innen und Kameraleute sollen die Rudas aufgefordert haben, möglichst obszöne Gesten im Gerichtssaal zu machen, dramatisierende Überschriften bauschten den Fall auf und auch die Recherche, fakten, selbst Namensnennung der Anwälte, waren voller Fehler. Bis heute wird fälschlicherweise über die 66 Messerstiche gesprochen (siehe Rubrik „Urteile in Deutschland“ zu diesem Fall). [1], [2]

Manuela und Daniel Ruda waren stark von der schwaren Musikszene beeinflusst, sangen unabhängig von einander in Black Metal Bands [3], hatten entsprechende Anspielungen auf Songs an ihrer Wohnungstür („Bunkertor 7“ ist der Titel eines Albums der Band Wumpscut), als Aufkleber auf ihrem Fluchtauto („SOKO Friehof“, ein Musikprojekt) usw. Nach der Tat übernahmen wiederum verschiedene Musiker Details vom Mordfall, z.B. O-Töne aus Pressekonferenzen oder Prozessberichten, in ihre Songs und Projekte. [4]

Daniel Ruda veröffentlichte 2004 aus der Haft heraus ein Buch über seine Tat. [5]

Manuela Ruda schrieb 2008 als Gastautorin einen Buchartikel über die schwarze Szene und ihre persönliche Erfahrung mit der Faszination und Abgrenzung von Vampirismus und Satanismus. [6] Darin bekräftigte sie ihre Abkehr von Gewalt, die sie bereits in einem Film für das ZDF 2006 veröffentlicht hatte. [7] Autor des ZDF-Berichtes und des Buches, in dem Manuela Rudas Gastbeitrag erschien, ist in beiden Fällen der Journalist Rainer Fromm.

Quellen:
[1] Zeitschriftenartikel in journalist 3/2002, „Inszeniert und kritisiert“, März 2002
[2] Zeitungsartikel Süddeutsche Zeitung vom 30.1.2002, „Ein Paar, das den Tod brachte“
[3] Buch Grandt, Guido, „Der Satan von Witten“, Knaur-Verlag München 2007
[4] Wikipedia, „Der Mordfall von Witten“, abgerufen am 4.11.2006
[5] Buch Ruda, Daniel, „Fehlercode 211“, Verlag Haag und Herchen Hanau, 2004
[6] Buchartikel Ruda, Manuela, „Dead End – Die Leidenschaft der Dunkelheit“, in Buch: Fromm, Rainer, „Schwarze Geister, Neue Nazis“, Olzog Verlag München 2008, S. 301ff.
[7] ZDF-Bericht aus der Sendung „Aspekte“, „Manuela Ruda distanziert sich vom Satanismus“, ausgestrahlt am 7.4.2006