Befragung in NRW 2005: Jede/r 10. Psychotherapeut/in kennt Fälle Ritueller Gewalt

In einer Studie der Arbeitsgruppe „Rituelle Gewalt“ (R. Kownatzki, B. Hahn, S.Eilhardt, A. Kownatzki) wurden im April/Mai 2005 insgesamt 1950 Vertrags-Psychotherapeut/innen aus dem Ruhrgebiet Bereich Regionalverband Ruhr (ca. 5,3 Mio EW) incl. der Städte Düsseldorf und Münster schriftlich über ihre Erfahrungen mit Fällen Ritueller Gewalt befragt. In einer 2. Aussendung wurden im Juni 2005 insgesamt 334 Beratungseinrichtungen bundesweit als Kontrollgruppe befragt. 936 Vertrags-Psychotherapeut/innen schickten insgesamt 965 Fragebögen zurück.

Nach Bereinigung der Daten (z.B. wurden Fälle von singulären Einzeltäter/innen, aus der Esoterik oder Exorzismen sowie vermutete Doppelungen aussortiert) blieb die Erkenntnis, dass 10,4 % der Vertrags-Psychotherapeut/innen mit Ritueller Gewalt im Rahmen ihrer Arbeit mit Klient/innen konfrontiert waren (absolut: 72 Fälle). 97 % der Fälle wurden von den Meldenden als glaubhaft eingestuft. Hinsichtlich der lokalen Verteilung kamen Rückmeldungen von Therapeuten aus allen Teilen der untersuchten Region. Die bundesweite Kontrollgruppe bestätigte oder übertraf dieses Ergebnis (absolut: 47 Fälle zusätzlich, also erhob die Studie insgesamt 119 Fälle).

Quellenangaben und Details zu den Studienergebnissen:

Buch “Rituelle Gewalt – Das (Un)heimliche unter uns”, Hrsg. Arbeitskreis Rituelle Gewalt der Bistümer Osnabrück, Münster und Essen, dialogverlag Münster 2014, ab S. 224

Link zur PDF-Dokumentation zur Fachtagung „Rituelle Gewalt – Spinnerei oder Realität“ am 4. Juni 2008