Befragung aus Rheinland-Pfalz 2007 bestätigt : Jede/r 10. Psychotherapeut/in kennt Überlebende Ritueller Gewalt

In Erweiterung der Studie aus NRW 2005 hat der Arbeitskreis „Rituelle Gewalt in Rheinland-Pfalz“ im Jahr 2007 eine erweiterte Studie durchgeführt – und darin die Ergebnisse aus NRW auch für Rheinland-Pfalz und das Saarland bestätigt. Auch hier wurden Psychotherapeut/innen befragt, inwieweit sie Überlebende Ritueller Gewalt behandeln. Eine Präsentation zu den Ergebnissen aus Rheinland-Pfalz gibt es online unter diesem Link.

Ergebnisse in Auszügen:

  • Von 1058 Fragebögen wurden 455 (43 %) zurück geschickt. In diesen Rücksendungen sagten 55 Psychotherpeut/innen aus, sie hätten Erfahrungen mit Überlebenden Ritueller Gewalt (12 %). Das ist mehr als jede/r 10. der Antwortenden. 94 % der Fälle wurden von den Meldenden als glaubwürdig eingestuft.
  • In 57 % der Fälle hatten die Betroffenen noch Täterkontakt während der Therapie.
  • 77 % der Überlebenden waren Frauen, 16 % weibliche Jugendliche, 1 % Mädchen. 5 % wären Männer und 1 % Jungen, männliche Jugendliche gab es keine.
  • Die Überlebenden berichteten Ihren Therapeut/innen von absolutem Gehorsam (79 %), absoluter Geheimhaltungspflicht (69 %), rituellen körperlichen Misshandlungen (68 %), rituellen sexuellen Mißhandlungen (65 %), schwarzen Messen (60 %), Tieropferungen (38 %), Menschenopferungen (36 %), Leichenschändungen (22 %) und Ekeltrainings (19 %).
  • Die Tatzeitpunkte lagen zu 16,1 % vor 1977, zu 12,9 % zwischen 1977 und 1991 und zu 71 % nach 1992.
  • Insgesamt wurden 23 Tötungsdelikte gemeldet. Davon wurden 16 aus der Zeit nach 1992 (15 Jahre vor Erhebungszeitraum) berichtet.
  • Von 56 genannten Tatorten lagen 38 in Rheinland-Pfalz. Da dies eine Umfrage unter Psychotherpeut/innen in Rheinland-Pfalz war, müsste eine regionale Verteilung in anderen Bundesländern erhoben werden, um daraus eine sinnvolle Aussage über „Schwerpunktgebiete“ treffen zu können.
  • Als Tatorte im Ausland wurden Luxemburg (3x), Holland (2x), Belgien (2x) und England (1x) genannt.
  • Durchschnittlich waren die Überlebenden 9,3 Jahre lang den Täter/innen ausgesetzt.
  • Durchschnittlich haben die Überlebenden 16,3 Jahre gebraucht, bis sie einen Therapiekontakt aufgenommen haben.
  • Durchschnittlich dauerte eine Therapie 3,3 Jahre, manche waren aber auch nach 19 Jahren noch nicht abgeschlossen. Zitat aus der Studien-Präsentation: „Hier ist ein energisches Eintreten für Änderung der Richtlinien für dieses besondere Klientel unter Verwendung der Daten wichtig.“

Quellenangaben:

  • A. Wagner, B. Bosse 2007 für Rheinland-Pfalz
  • B. K. Deubel 2007 für das Saarland
  • Ein ausformulierter, allgemein verständlicher Vortrag zu dieser Studie von Dr. Brigitte Bosse und Annelie Wagner wurde dokumentiert im Tagungsband „Rituelle Gewalt – Vom Erkennen zum handeln – Dokumentation der Tagung vom 6. November 2009 in Trier“, erschienen bei Pabst Science Publishers, Lengerich 2011
  • Einordnende Hinweise enthält auch der Buchartikel von Igney, Claudia, „Stand der Forschung in Deutschland“, im Buch von Fliß/Igney 2010, „Handbuch Rituelle Gewalt“, Verlag Pabst Science Publishers Lengerich 2010