Warum werden die Täter/innen selten gefasst oder verurteilt?

In vielen Fällen gibt es „eine Geschichte hinter der Geschichte“. Es gibt Hinweise auf weitere Täter/innen, die aber nicht gefaßt und verurteilt werden. Oder die Beweislage ermöglicht es nur, einen Bruchteil der Taten, die jemandem vorgeworfen werden, auch wirklich zu beweisen.

Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • Unzuverlässige Zeugenaussagen: Die Aussteiger/innen, die Anzeige erstatten, sind häufig psychisch schwer geschädigt. Zum Beispiel bei Menschen mit einer Dissoziativen Identitätsstruktur (DIS) sind die Erinnerungen zersplittert in viele unzusammenhängende Einzelteile. So können sie häufig Namen, Gesichter, Daten und/oder Orte nicht mehr zusammen bringen, um einzelne Taten anzuzeigen, die einer jurististischen Überprüfung Stand halten. Schwierig ist das aber nicht nur für Menschen mit DIS – auch Schock und Trauma können bewirken, dass juristisch relevante Einzelheiten einer Gewaltsituation später nicht erinnert werden können. (Wenn Sie mehr dazu wissen wollen, empfehlen wir diesen sehr guten (englischen) Artikel einer Betroffenen (enthält Tatschilderungen).)
  • Menschen Manche Aussteiger/innen bestehen die harten Kriterien von Glaubhaftigkeitsgutachten nicht. Zur Kritik an solchen Gutachten empfehlen wir die Webseite von Dr. Katharina Maucher (www.nullhypothese.com)
  • Es gibt Ermittlungspannen: Beweise werden nicht gesichert, Räume nicht entdeckt, Hinweisen wird nicht ausreichend nachgegangen, weil sich die Ermittler/innen die Monströsität der Taten nicht vorstellen können oder wollen (Beispiele finden sich in den Fallbeschreibungen unten)
  • Belastungszeug/innen fallen aus, z.B. durch Krankheit oder Tod, insbesondere wenn sich die Prozesse sehr in die Länge ziehen oder die Taten weit zurück liegen
  • Zeug/innen verweigern die Aussage, weil sie sich sonst selbst belasten würden (z.B. wenn Eltern oder andere Angehörige von Opfern in die Taten verwickelt sind, werden sie natürlich nicht zur Aufklärung der Verbrechen beitragen)
  • Sachbeweise sind nicht mehr auffindbar, weil Taten zu lange zurück liegen oder Spuren sehr effektiv beseitigt worden sind
  • Diese Liste lässt sich fortsetzen…

Indem wir Beispiele für diese Thesen in unser Infoportal mit aufnehmen, hoffen wir Anregungen zu geben, wie Opferschutz, Justizsystem und Ermittlungstechniken verbessert werden können.



Informationen zu diesem Thema:

Höxter-Bosseborn – Sadistisches Paar tötet mindestens zwei Frauen

Im Frühjahr 2017 stehen ein Mann und eine Frau mittleren Alters vor Gericht in Paderborn, weil sie Frauen in ihr Haus gelockt und dort gefoltert haben sollen, so der Vorwurf der Anklage. Zwei Frauen starben. Der „Fall Höxter-Bosseborn“, der im Frühjahr 2016 ans Tageslicht kam und hohe mediale Aufmerksamkeit fand, weist bislang keine religiösen oder ideologischen Motive auf (Der Prozess läuft noch, Stand Mai 2017). Dennoch lohnt es sich, sich mit diesem Fall näher zu beschäftigen, denn er gibt Antworten auch auf die in unserem Portal gestellten Fragen.


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Peggy und der NSU – Zusammenhang, oder Zufälle und Ermittlungsfehler?

Thüringen/Bayern. Seit Herbst 2016 diskutiert Deutschland darüber, dass eine DNA-Spur des NSU-Verbrechers Uwe Böhnhardt (2011 gestorben) am Fundort der Leiche des Mädchens Peggy K. (2001 entführt und gestorben) gefunden wurde. Nachdem in den ersten Tagen nach dem DNA-Fund über viele Verbindungen vom Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) zu Pädokriminalität und Morden an Kindern berichtet wurde, heißt es seitdem von Ermittlerseite immer wieder: Die DNA-Spur ist eine Verunreinigung und es gibt keinen Zusammenhang. Dabei bleiben viele Fragen offen.


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Deutscher Sektenführer entzieht sich einem Gerichtsprozess, taucht unter und wird ermordet

Im September 2016 wurde der deutsche Sektenführer Arno W. am Strand von Uruguay ermordet aufgefunden. Er war angeklagt, in seiner Sekte Kinder vergewaltigt zu haben. Bevor er nach Deutschland ausgeliefert werden konnte, wurde er umgebracht. Weil es deshalb zu keinem Urteil kam, ist dieser Fall nicht in unserer üblichen Fälle-Form aufgelistet, sondern wird hier in einem Fließtext beschrieben. Bitte suchen Sie sich die Stellen heraus, die für Sie von Bedeutung sind.


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Ergebnisse der Online-Befragung: Warum wird sexualisierte Gewalt so selten angezeigt?

2014 hat das Kriminologische Institut der Universität Heidelberg eine Online-Umfrage unter Betroffenen von Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung durchgeführt. Die Ergebnisse sind in der sogenannten „DASS-Studie“ veröffentlicht worden.


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Natascha Kampusch und andere Fälle, in denen Menschen „verschwunden“ sind

Im August 2006 konnte sie sich selbst befreien. Natascha Kampusch war im Alter von 10 Jahren, am 2.3.1998 bei Wien entführt und 8 Jahre lang in einem Keller gefangen gehalten worden. [1] Es gibt in ihrem Fall keine Hinweise auf Rituelle Gewalt, aber ihre Geschichte gibt ein paar grundsätzliche Antworten in Bezug auf die Fälle organisierter Gewalt, wie wir sie auf dieser Internetseite beschreiben.

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Warum Rituelle Gewalt von der Polizei oft nicht erkannt wird

In der Zeitschrift „Die Kriminalpolizei“ 1/2013 veröffentlichte Manfred Paulus, Erster Kriminalhauptkommissar im Ruhestand, einen Artikel mit Antworten auf diese Frage.

Hier finden Sie eine Zusammenfassung:


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Kidwelly/Wales – Sektenführer und Helferinnen verurteilt

Im März 2011 wurden vier Erwachsene aus Wales, Großbritannien (ein Mann und 3 Frauen) verurteilt wegen jahrelanger sexualisierter Gewalt an Jungen und Mädchen. Das Gericht stellte fest, dass der Haupttäter der Leiter eines satanistischen Kultes war und die Kinder in diesem Rahmen manipuliert und eingeschüchtert hat.

Die BBC veröffentlichte 2011 einen Artikel mit einer Beschreibung des Ortes Kidwelly, wie er immer wieder in solchen Fällen zu lesen ist.


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Urteil gegen den Musiker „Oliver Shanti“

Im Jahr 2009 wurde der deutsche New-Age-Musiker und Sektenführer „Oliver Shanti“ von einem Münchner Gericht verurteilt, Kinder seiner Anhänger/innen in den 1980er Jahren sexuell misshandelt zu haben. Er bekam eine Haftstrafe von fast sieben Jahren.

„Oliver Shanti“ wurde zwar gefasst und verurteilt, die Fahndung nach ihm aber dauerte mehrere Jahre. Das hatte wahrscheinlich mit seinem guten Ruf zu tun, den er sich unter seinen Anhänger/innen und bei der portugiesischen Bevölkerung erworben hatte.


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Dutroux und andere in Belgien

Im Jahr 2004 wurde Marc Dutroux verurteilt, weil er mehrere Jahre lang Mädchen und junge Frauen in Belgien entführt, vergewaltigt, gefoltert und getötet hat. Drei Kompliz/innen erhielten ebenfalls Haftstrafen. Dass Dutroux selbst zu einer Sekte gehörte, darauf gibt es keine Hinweise. Belegt sind aber Hinweise darauf, dass er evtl. Kinder an einen Satanskult liefern sollte. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass er Verbindungen zur Stasi und in europaweite pädokriminelle Netzwerke hatte. Damit gibt dieser Fall für unser Thema hochinteressante Einblick in vernetzte Täter/innen-Strukturen. Die Hinweise auf Satanismus bei Dutroux haben wir unter der Rubrik „Religiöse und ideologische Hintergründe“ dokumentiert, die Hinweise auf die Stasi unter „Was sagt die Politik?“.

Der Fall Dutroux ist gekennzeichnet von diversen Ermittlungspannen (inklusive einer Flucht von Dutroux 1998 aus der Untersuchungshaft), vielen Verbindungen und Freundschaften von Dutroux  in belgische Politiker- und Ermittlerkreise und vielen rätselhaften Todesfällen im Umfeld der Ermittlungen und des Prozesses.

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Brasilianische Sektenangehörige 2003 verurteilt

Im Jahre 2003 wurden in Altamira/Brasilien mehrere Mitglieder der Sekte Lineamento Universale Superior, kurz LUS (Sekte „Oberste Universale Ausrichtung“, engl. „Superior Universal Alignment“) wegen Mordes, Entführung, Folter und Kastration an mehreren Jungen zwischen acht und 13 Jahren verurteilt.

Baustelle: Wir konnten für diesen Fall nur deutsche und englischsprachige Quellen auswerten. Wenn uns jemand beim Auswerten von Suchergebnissen und Artikeln aus Argentinien und Brasilien (also in spanisch oder portugiesisch) helfen kann, melden Sie sich bitte bei uns!

 

Der Prozess wurde in Brasilien auch als Test dafür betrachtet, ob die Brasilianische Justiz in der Lage ist, Verbrechen in den abgelegenen Provinzen ernst zu nehmen und erfolgreich zu verurteilen. [1]

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„Höllenleben“ – „Nicki“ zeigt Kindstötung auf der Wewelsburg an

Im Dezember 2001 strahlte die ARD den Dokumentarfilm „Höllenleben“ aus, in dem eine Frau mit DIS (Dissoziativer Identitätsstruktur, siehe Begriffserklärungen), die sich „Nicki und die Bärenbande“ nennt, von Ritueller Gewalt in ihrer Kindheit in einer satanistischen Sekte erzählt. „Nicki“ zeigte sich im Rahmen der Recherchen zum Film selbst wegen Kindstötung an.

In „Nickis“ Fall waren die Taten, von denen sie berichtete, alle verjährt. Einzige Ausnahme: Die Kindstötung auf der Wewelsburg.

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Abschlussbericht der Enquete-Kommission 1998: Rituelle Gewalt braucht mehr Beachtung

Die Enquete-Kommission „Sogenannte Sekten und Psychogruppen“ des Deutschen Bundestages spricht in ihrem Abschlussbericht zusammenfassend von einer „gespaltenen Datenlage“:

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Colonia Dignidad – Paul Schäfer misshandelt Sektenmitglieder

Im Jahr 2006 wird Paul Schäfer verurteilt, Kinder in seiner freikirchlichen Sekten-Kolonie „Colonia Dignidad“ vergewaltigt und gefoltert zu haben. Außer ihm werden weitere Komplizen verurteilt. Die „Colonia Dignidad“ hat nachweislich mit dem chilenischen Geheimdienst zusammen gearbeitet und Menschen gefoltert und getötet.

Baustelle: Wir haben für dieses Thema nur deutsche Quellen ausgewertet. Wenn Sie chilenische oder argentinische Quellen mit weiteren Informationen für uns beisteuern können, melden Sie sich gerne bei uns.

Auf diese Frage gibt es im Fall von Paul Schäfer und der Colonia Dignidad viele verschiedene Antworten. Manche davon sind gut übertragbar auf andere Fälle Ritueller Gewalt. Insofern lohnt sich eine Beschäftigung mit diesem Fall, wenn man das Phänomen Rituelle Gewalt verstehen will. Die Journalistin Ulla Fröhling hat in ihrem Buch „Unser geraubtes Leben“ von 2012 viele Täterstrategien Schäfers herausgearbeitet und in einen Kontext mit anderen Fällen oder mit der Zeitgeschichte gesetzt. [1]


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„Thakar Singh“: Kleinkinder mussten stundenlang meditieren

1994 und 1995 wurden zwei Frauen in Bayern wegen Kindesmisshandlung verurteilt, weil ihnen anvertraute Kinder stundenlang meditieren mussten.

Baustelle: In diesem Fall sind noch viele Fragen offen. Wenn Sie uns unterstützen möchten, klicken Sie hier.

In diesem Fall wurden zwei deutsche Anhängerinnen des Sektengurus aus Indien verurteilt. Zur Frage, ob der Guru „Thakar Singh“ selbst je verurteilt wurde, liegt uns keine Information vor. (siehe „Urteile in Deutschland / Ermittlungen gegen den Guru“) [1]


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Bericht des Niederländischen Justizministeriums, Den Haag 1994, und die Studien zu „Oude Pekela“

Die Arbeitsgruppe Ritueller Missbrauch des niederländischen Justizministeriums in den Haag, Dezernat Staats- und Strafrecht, legte im April 1994 einen Bericht vor. [1]

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Der Mord von Sondershausen – Sandro Beyer

Im Februar 1994 werden drei Mitglieder der Black Metal Band „Absurd“ (zuvor „Luciferian Pagans“) verurteilt, den Schüler Sandro Beyer getötet zu haben.

Der Journalist Guido Grandt vertritt die These, dass der Mord an Sandro Beyer hätte verhindert werden können, wenn die Behörden und andere Erwachsene die Warnzeichen ernst genommen und schnell gehandelt hätten.


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Angaben zu Täter/innen aus den USA von 1989

Thorsten Becker übersetzte [1] einen Auszug aus dem Bericht der Ritual Abuse Task Force der Los Angeles County Commission for Women 1989:


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