Angaben zu Täter/innen aus den USA von 1989

Thorsten Becker übersetzte [1] einen Auszug aus dem Bericht der Ritual Abuse Task Force der Los Angeles County Commission for Women 1989:

„Täter Ritueller Gewalt agieren normalerweise in einem Gruppen-Setting. Die meisten Opfer berichten, von unterschiedlichen Tätern misshandelt worden zu sein, häufig in Verbindung mit anderen Opfern. Frauen werden als Täter Ritueller Gewalt ebenso häufig berichtet wie Männer.

Wenig ist mit Sicherheit über die Täter Ritueller Gewalt bekannt, aber es ist wichtig, zu betonen, dass sie nicht in die üblicherweise vorherrschenden Konzepte über Motivation und Profil von pädophilen Tätern passen. Täter, die rituelle Gewalthandlungen begehen, sind generell weitaus sadistischer und grausamer bei sexuellen Misshandlungen als pädophile Straftäter. Opfer berichten schmerzhafte und Furcht erregende sexuelle Handlungen und erniedrigende Praktiken, die beispielsweise den Gebrauch von Urin und Kot beinhalteten. Die Täter scheinen durch ein Verlangen motiviert zu sein, zu beobachten, wie ihr Opfer das Gefühl für den eigenen freien Willen veriliert, sich mit dem Bösen idenitifiziert und sich dem Willen der Gruppierung unterwirft. Auf Grund der offensichtlichen Festlegung eines Großteils der rituellen Gewalttäter, so viele kleine Kinder wie möglich zu Opfen zu machen und zu indoktrinieren, agieren sie häufig gemeinsam in Gruppen im Bereich von Vorschulen, Tagesbetreuung und Babysitter-Services, die ihnen den Zugang zu Kindern außerhalb der Herkunftsfamilien ermöglichen.

Es gibt Belege dafür, dass viele dieser Täter in Gruppierungen mit einem festen Glaubenssystem oder Kult (häufig mit satanistischer Ausrichtung) und hoch systematisierten Familien von einer Generation auf die folgenden weiter gegeben wurden. Daher sind viele Täter dieser Form von Gewalt tatsächlich sowohl Opfer als auch Täter innerhalb eines misshandelnden Familiensystems. Diejenigen, die Opfer Ritueller Gewalt in einem Familienzusammenhang geworden sind, erleben unterschiedliche Grade von Dissoziation, darunter – in einigen Fällen – Multiple Persönlichkeitsstörungen. Dies kann möglicherweise erklären, wie es für einige Täter möglich ist, unentdeckt in der Kinderbetreuung tätig zu sein, recht glaubwürdig bei der Verleugnung von Anschuldigung der Misshandlung durch Kinder auch gegenüber erfahrenen Ermittlungsbeamten zu sei, und warum sie so gut bei Vernehmungen mit dem Polygraphen (Lügendetektor) abschneiden.“ (Los Angeles County Commission for Women 1989)

Wir bitten zu beachten, dass dies ein Zitat von 1989 ist und es aus dem Amerikanischen übersetzt wurde. Deshalb wird weder gegendert, noch wurden heute kritisierte Begriffe wie „pädophil“, „Missbrauch“ oder „Multiple Persönlichkeitsstörungen“ auf andere Sprachempfehlungen angepasst. Mehr über die Diskussionen über solche Begriffe lesen Sie in unseren Begriffserklärungen.

Quelle:
[1] Buchartikel von Becker, Thorsten, „Rituelle Gewalt: Was wir über Gewalt ausübende, ideologische Kulte, Täter und Täterstrukturen wissen – eine Betrachtung“, in „Handbuch Rituelle Gewalt“, Hg. von Claudia Fliß und Claudia Igney, Pabst Science Publishers, Lengerich 2010, Seite 115