Natascha Kampusch und andere Fälle, in denen Menschen „verschwunden“ sind

Im August 2006 konnte sie sich selbst befreien. Natascha Kampusch war im Alter von 10 Jahren, am 2.3.1998 bei Wien entführt und 8 Jahre lang in einem Keller gefangen gehalten worden. [1] Es gibt in ihrem Fall keine Hinweise auf Rituelle Gewalt, aber ihre Geschichte gibt ein paar grundsätzliche Antworten in Bezug auf die Fälle organisierter Gewalt, wie wir sie auf dieser Internetseite beschreiben.

Woher kommen diese Kinder?

Natascha Kampusch wurde am hellichten Tage auf offener Strasse in ein Auto gezerrt und entführt. Nicht im Wald, sondern in einer bewohnten Nachbarschaft, ohne dass es jemand beobachtet und ohne dass die Ermittler/innen sie finden können. [1]

Dabei wurde sie öffentlich vermisst und gesucht. Ihr Name und ihr rätselhaftes Verschwinden waren schon vor ihrer Selbstbefreiung international bekannt, ähnlich wie bei Madleine (Maddie) McCann aus Glasgow, die in Portugal spurlos verschwand und noch nicht wieder auftauchte. Und obwohl so viel Aufwand betrieben wurde und wird, hat man sie noch nicht gefunden. Obwohl diese spektakulären Fälle weltbekannt sind, sehen sich Aussteiger/innen aus Ritueller Gewalt immer wieder mit der Skepsis konfrontiert, dass ihre Schilderungen gar nicht stimmen könnten, denn „das hätte doch jemand bemerken müssen“.

Warum werden die Täter/innen selten gefasst und verurteilt?

Natascha Kampuschs Geschichte beweist, dass es mit ausreichender krimineller Energie gelingen kann, Menschen unbemerkt von Nachbarn und Behörden über eine sehr lange Zeit gefangen und versteckt zu halten. Natascha Kampusch ist kein Einzelfall. Es gibt mehrere Berichte darüber, wie sich Entführungsopfer erst nach vielen Jahren aus den Händen von Täter/innen befreien konnten und niemand in der Nachbarschaft hatte Verdacht geschöpft:

  • Mai 2014, Kalifornien/USA: Eine 25jährige Frau meldete sich bei der Polizei, die knapp 10 Jahre zuvor vom Ex-Partner ihrer Mutter entführt worden war. Er zwang sie, sie zu heiraten und ein Kind von ihm zu bekommen. [3] Er wurde zu vier Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. [4]
  • Mai 2013, Cleveland/USA: Drei Frauen befreien sich aus einem Haus in einem Arbeiterviertel. Ihr Entführer vergewaltigte sie mehrfach, und es gab mehrere Schwangerschaften während ihrer Gefangenschaft. 2002 entführte er eine damals 20jährige, 2003 eine damals 17jährige und 2004 eine damals 14jährige junge Frau. Sie wahren also 9. 10 und 11 Jahre in seiner Gewalt, ohne dass Nachbar/innen die Polizei informierten. [5] (Siehe unten)

Wolfgang Priklopil, der Entführer von Natascha Kampusch, kann nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden. Er tötete sich selbst nachdem er merkte, dass sie geflohen war. [1]

Der Entführer von Cleveland (siehe oben) erhängte sich einen Monat nach der Befreiung der Frauen in seiner Gefängniszelle. [5]

Quellen:
[1] Buch von Natascha Kampusch „3096 Tage“, Berlin 2010
[2] Fernsehfilm “Höllenleben” von Liz Wieskerstrauch, ARD 2001. Der Film auf Youtube, abgerufen am 16.5.2017
[3] Artikel auf Spiegel-Online vom 22.5.2014, „Entführungsopfer nach 10 Jahren lebend gefunden“, abgerufen am 16.5.2017
[4] Artikel auf der Webseite des Fernsehsenders KTLA5 (Englisch) vom 15.4.2016, „Man sentenced to 4 years after…“, abgerufen 16.5.2017
[5] Artikel auf Spiegel-Online vom 25.11.2013, „Opfer berichtet von mehreren Schwangerschaften“, abgerufen am 16.5.2017