Geflüchtete Kinder in Deutschland sind gefährdet

Nach WDR-Recherchen [1] wurden 2015 insgesamt 8.006 Kinder- und Jugendliche, die als unbegleitete Flüchtlinge nach Deutschland kamen, als vermisst gemeldet (635 Kinder, 7.371 Jugendliche über 14 Jahre).  Davon 807 in NRW, in Bayern 4004. Laut Statistik sei ein gutes Viertel davon, nämlich 2.171 (80 Kinder, 2.091 Jugendliche) wieder aufgetaucht.

2014 galten in NRW 103 minderjährige unbegleitete Flüchtlinge als vermisst, bundesweit 1.277, davon tauchten aber 708 nach Angaben des Bundesinnenministeriums wieder auf. [1]

Die hohen Vermisstenzahlen können unterschiedliche Ursachen haben:

  • Vielleicht waren die Kinder und Jugendlichen auf der Durchreise und sind jetzt in anderen europäischen Ländern bei ihren Verwandten angekommen? Das melden sie dann nicht unbedingt an die deutschen Behörden zurück.
  • Vielleicht sind Kinder und Jugendliche doppelt oder mehrfach gezählt worden? 2015 gab es noch keinen Registrierungsausweis.

Oder:

Die Behörden weisen darauf hin, dass unbegleitete Kinder und Jugendliche besonders gefährdet sind, Opfer von Menschenhändlern oder Pädokriminellen zu werden. Dass pädokriminelle Täter_innen Katastrophensituationen ausnutzen, um an Opfer zu kommen, wurde auch beim Tsunami in Indonesien 2005 [2], [3] beobachtet. Auch Europol warnte bereits davor, dass Kinder die gefährdeste Gruppe von Geflüchteten seien und in die Hände krimineller Banden geraten könnten. [4]

Nachgewiesen sind bereits folgende Fälle:

  • In Deutschland ist im Oktober 2015 der Fall des 4jährigen Mohamed bekannt worden, der aus einer Flüchtlingsunterkunft in Berlin entführt wurde. Die Entführung wurde von einer Überwachungskamera gefilmt. Die Polizei veröffentlichte die Bilder und rief zur Hilfe bei der Fahndung auf. Mohamed wurde einen Monat später erdrosselt und sexuell misshandelt in einem Kofferraum gefunden. Als mutmaßlicher Täter wurde der 32jährige pädokriminelle Autobesitzer verhaftet, der zuvor eine Spendenkiste voll Kuscheltiere in der Flüchtlingsunterkunft abgegeben hatte. Im Laufe der Vernehmungen gestand er auch den Mord am seit Juli 2015 vermissten Elias aus Potsdam. [5]
  • Die ARD veröffentlichte Ende März 2017 eine Dokumentation darüber, dass minderjährige Geflüchtete in der Illegalität und in der Prostitution landen. [6]

Aktualisierte Zahlen:

Der Spiegel berichtete im Mai 2017 über eine weltweite Unicef-Studie:

 

  • „Immer mehr Kinder und Jugendliche sind allein als Flüchtlinge oder Migranten unterwegs. Weltweit hat sich demnach die Zahl der unbegleiteten und von ihren Familien getrennten Minderjährigen in den Jahren 2015 und 2016 im Vergleich zu 2010 und 2011 fast verfünffacht. Wurden damals noch etwa 66.000 in 80 Ländern registriert, waren es in den vergangenen beiden Jahren rund 300.000.

  • Allein in Europa stellten etwa 170.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in den Jahren 2015 (104.000) und 2016 (66.000) einen Antrag auf Asyl. Im selben Zeitraum wurden 100.000 unbegleitete Kinder und Jugendliche an der Grenze zwischen Mexiko und den USA aufgegriffen.“ [7]

 

Quellen:

[1] Internetseite WDR vom 8.6.2016, abgerufen am 20.6.2016, leider nicht mehr online verfügbar
[2] Zeitungsartikel taz vom 12./13.3.2005, „Nutzen Menschenhändler die Not?“, abgerufen 21.4.2017
[3] Zeitungsartikel Neue Westfälische 2005, „Angst vor Kinderhandel – Schleuserbanden könnten Katastrophe ausnutzen / Reisestopp für Minderjährige“
[4] Artikel auf Spiegel-Online vom 31.1.2016, „Europol meldet Tausende Flüchtlinge als vermißt“, abgerufen 28.4.2017
[5] Artikel auf Zeit-Online 30.10.2015, „Mohamed wurde mehrfach sexuell misshandelt“, abgerufen 20.6.2016
[6] ARD-Film „Die Story: Verschwunden in Deutschland. Auf der Suche nach vermissten Flüchtlingsjungen“, ausgestrahlt 28.3.2017, online abrufbar bis 28.3.2018
[7] Artikel auf Spiegel-Online vom 17.5.2017, „Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge verfünffacht sich“, abgerufen am 18.5.2017