Toter im Harz: Zeugen sagen über okkultistischen Orden aus

Am 12.6.2019 hat das Landgericht Göttingen einen Mann zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von acht Jahren verurteilt, außerdem zur Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus wegen Totschlags und Störung der Totenruhe. [1], [2] Er hatte im Dezember 2017 in Katlenburg-Lindau (Kreis Northeim) einen 37jährigen Hausnachbarn nach einem Streit getötet, die Leiche zerteilt und vergraben. Mitbewohner in diesem Haus sagten als Zeugen aus, sie hätten gemeinsam mit dem Angeklagten und dem Ermordeten zu einem okkulten Orden in diesem Haus gehört. Im Urteil gingen Gericht und Staatsanwaltschaft aber nicht von einer Tötung im Rahmen eines Rituales aus, sondern von einem eskalierten Streit unter Alkoholeinfluss.

Die Tat blieb unentdeckt bis August 2018. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der Verurteilte in Süddeutschland und unternahm einen Suizid-Versuch. In diesem Zusammenhang gestand er die Tötung und führte die Polizei später an den Ort, an dem er die Leichenteile vergraben hatte. [3]

Täter und Opfer hatten mit anderen in einem Haus in Katlenburg-Lindau gewohnt. Das Haus soll einem Mann aus dem Raum Hildesheim gehört haben, der unter dem Namen „Hüter von Cronum“ oder „Kronum“ auftrat (hier widersprechen sich die Quellen). Er habe Männer aus ganz Deutschland um sich versammelt und als Mieter in dieses Haus geholt, um einen okkultistischen Orden mit Namen „Deutscher Hüterorden“ [4] zu gründen. Zeugen berichteten im Prozess von Ausflügen mit Fackeln zu Kultstätten im Harz, Ritualen und Séancen [5] und Opferungen z.B. von Pergamentrollen [4].

Folgende Indizien, die im Rahmen des Prozesses bekannt wurden, sind der Grund für uns, dieses Urteil ins Infoportal Rituelle Gewalt aufzunehmen:

  • Die Ordensmitglieder in diesem Haus sollen sich unter anderem mit Elementen aus dem „Germanischen Glauben“ beschäftigt haben. [4]
  • Ein Zeuge berichtete im Prozess, der verurteilte Täter habe häufig eine Puppe namens „Anneliese“ bei sich getragen – das sei ein Bezug zum Fall Anneliese Michel gewesen, die 1976 an den Folgen eines Exorzismus starb. [4]
  • Es soll ein überzeugter Nationalsozialist zu der Gruppierung gehört haben – gegen ihn sei ein Urteil wegen Beihilfe zur Vorbereitung einer schweren staatsgefährdeten Straftat gefällt worden und aktuell ermittle die Bundesanwaltschaft gegen ihn wegen des Verdachts der Gründung einer rechtsterroristischen Vereinigung, schreiben Harzkurier und Hannoversche Allgemeine Zeitung [4].

Im Anschluss an die Verurteilung dieses Gruppenmitgliedes, so vermerkt es das Gerichtsurteil des Landgerichts Göttingen wegen Totschlags und Störung der Totenruhe, habe sich der Leiter des Ordens aus seiner Funktion zurückgezogen und es habe keine weiteren Ausflüge, Treffen im Harz, Versammlungen oder Wanderungen mehr gegeben. Das war acht Monate vor dem Tötungsdelikt. [1]

Die Verteidigung des Täters hatte erst gegen das Urteil Revision eingelegt, diese wurde aber wieder zurück genommen und das Urteil ist rechtskräftig. [6]

 

Quellen:
[1] Urteilsbegründung des Landgerichtes Göttingen, Aktenzeichen 6 KS 12/18, liegt der Infoportal-Redaktion in anonymisierter Form vor.
[2] Zeitungsartikel Hannoversche Allgemeine Zeitung, 12.6.2019, „Prozess um zerstückelte Leiche: Acht Jahre Haft für Angeklagten“, abgerufen am 3.7.2019. Hinweis: Die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus erfolgte aufgrund von §63 STGB. (Quelle [5])
[3] Zeitungsartikel Hannoversche Allgemeine Zeitung, 6.2.2019, „Nach Trink-Gelage: Mann erwürgt Nachbarn und zerstückelt Leiche“, abgerufen am 3.7.2019
[4] Artikel auf harzkurier.de, 8.6.2019, „Okkultistische Rituale im Geisterhaus von Lindau“, abgerufen am 3.7.2019, und Zeitungsartikel Hannoversche Allgemeine Zeitung, 8.6.2019, „Okkultismus und ein Mord: Das Horrorhaus von Lindau“, abgerufen am 3.7.2019
[5 Zeitungsartikel auf NDR.de, 15.3.2019, „Nachbarn zerstückelt: Okkulte Rituale in Lindau“, abgerufen am 3.7.2019
[6] E-Mail der Pressestelle des Landgerichtes Göttingen an die Infoportal-Redaktion, 7.8.2019