BR-Podcast berichtet über den aktuellen Stand bei Kwa Sizabantu (Update)

Der Bayerische Rundfunk veröffentlichte im Juni 2026 einen sechsteiligen Podcasts in der Reihe „Seelenfänger“ zur Gruppierung Kwa Sizabantu [1], über die wir auch hier schon mehrfach [2], [3] berichtet haben. Die BR-Redaktion begleitete zwei deutsche ehemalige Mitglieder von Kwa Sizabantu im Winter 2025/26 und recherchierte, wie Kwa Sizabantu im Moment arbeitet. Und natürlich, was sich nach den öffentlichen Vorwürfen sexualisierter, psychischer und körperlicher Gewalt inbesondere gegen Kinder und Frauen seit 2019 verändert hat. Fazit leider: Die bekannt gewordenen Missstände sind nur teilweise behoben.

Die Podcast-Redaktion legt ihren Recherche-Schwerpunkt auf die Misshandlung von Kindern in Gemeinden von KwaSizabantu, weil es zu den Lehren dieser Glaubensgemeinschaft gehört, Kinder durch „Züchtigung“ (gemeint sind körperliche und seelische Gewalt) zu „brechen“, bevor sie drei Jahre alt sind. Die beiden Hauptpersonen im Podcast, ein Geschwisterpaar, berichten aus ihrer Erinnerung an die Momente, in  denen sie das Gefühl hatten, als Kinder „gebrochen“ worden zu sein. Im Podcast werden gewaltvolle Ereignisse sehr deutlich beschrieben.

Psychische Auswirkungen

Außerdem wird anschaulich erklärt, wie sehr Kwa Sizabantu ihre Anhängerinnen und Anhänger in psychische Abhängigkeiten bringt, die bis heute in den Alltag der Betroffenen hineinwirken. Insbesondere wird dies ersichtlich in den Folgen 1 ab Minute 20:00 und in Folge 6 ab Minute 24:30 und Minute 29:30. Das macht den Podcast besonders wertvoll, denn die dort beschriebenen Mechanismen von Manipulation (es fällt auch das Wort „Gehirnwäsche“ in einem der Original-Töne der Sendung) werden auch von Überlebenden anderer stark manipulativer Glaubensgruppierungen berichtet. Solche psychischen Manipulationsmethoden sind nicht strafbar, beeinflussen aber das weitere Leben der Betroffenen aus religiösen Gemeinschaften massiv.  Ebenso sind diese psychischen Wirkungen Thema in einer Doku des Schweizer Fernsehens, auf die wir erst durch diesen Podcast aufmerksam geworden sind. [5]

Was ist Kwa Sizabantu?

Kwa Sizabantu wird im Podcast als „evangelikale Missionsbewegung“ bezeichnet, die in den 1960er Jahren in Südafrika ihren Anfang nahm. Sie folgt einer wörtlichen Bibelauslegung.

Die Redakteur*innen besuchen Gemeinden in Südafrika, Rheinland-Pfalz und Rumänien. Sie berichten von ihren Erlebnissen, teilweise in Begleitung von Aussteigerinnen und Aussteigern aus der Gruppierung. Sie beobachten mit eigenen Augen Hinweise auf die Unterdrückung und Ungleichbehandlung von Frauen und schwarzen Menschen in Südafrika, sprechen mit Menschen, die eigene Gewalterfahrungen schildern, und treffen offizielle Vertreter von Kwa Sizabantu an ihren jeweiligen Standorten. Und sie besuchen eine Gemeinde in Süddeutschland, in der die strengen und gewaltvollen Regeln von Kwa Sizabantu bis heute gelten sollen (dazu gehören zum Beispiel Berichte von arrangierten Ehen, für die angeblich Gott selbst den Männern einen Hinweis auf die auszuwählende Frau gibt, und bei denen die Eheleute sich dann erst sehr kurz vor der Trauung kennenlernen). Denn grundsätzlich gilt bei Kwa Sizabantu eine strenge Geschlechtertrennung vor der Ehe.

Was hat sich neu entwickelt seit unserer bisherigen Berichterstattung 2021 und 2022?

Erlo Stegen, der Gründer von Kwa Sizabantu, ist 2023 gestorben. Die neue Leiterin in Südafrika ist eine Frau, die schon seit Anfang der 1980er Jahre eng an der Seite von Erlo Stegen gearbeitet hat und nach und nach in Führungspositionen aufgestiegen ist. In einem youtube-Video erzählt sie selbst davon, dass sie gestorben und wieder auferstanden sei. [zitiert nach 1,  Folge 2 ab Minute 9:45]

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2023 stellte die südafrikanische staatliche Untersuchungskommission CRL [6] einen Untersuchungsbericht vor, in dem Kwa Sizabantu bescheinigt wurde, dass die Ereignisse auf dem Gelände der Organisation in Südafrika von der Glaubensfreiheit gedeckt seien. Die anfängliche Einstufung von Kwasizabantu als Sekte wurde damit zurückgenommen. [1]

Während der Pressekonferenz zur Vorstellung dieses Berichtes, so berichtet der Seelenfänger-Podcast, stehen Wasserflaschen der Kwa Sizabantu-Wasserquelle auf den Tischen. Der Auftritt löst Empörung aus. Mehrere Betroffene klagten auf Schadensersatz. [1]

Anfang 2026 wurde dieser Bericht aus dem Jahr 2023 wieder zurückgezogen – stattdessen wurde eine Gesetzesinitiative angekündigt, christliche Gruppierungen in Südafrika staatlich zu regulieren und unabhängige Meldestellen einzuführen, weil es gegen mehrere christliche Organisationen in Südafrika Ausbeutungsvorwürfe gibt. Es formiert sich ein Protest verschiedener Gemeinden, auch von Kwa Sizabantu, gegen diese Gesetzesinitiative. Das Bündnis trägt den Namen „South African Church Defenders“. [1]

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Am 21.9.2023 hat das Schweizer Fernsehen SRF eine ausführliche Dokumentation gesendet, in der über Gewalt in einer Schweizer Gemeinde und Schule von Kwa Sizabantu in Kaltbrunn/Kanton St. Gallen, Schweiz, berichtet wird. Und die Dokumentation verweist auf politische Kritik an einer großen Schweizer Schokoladenfirma, deren ehemaliger Leiter und Namensgeber früher als Prediger in der Gemeinde tätig war. [5] Die neue Unternehmergeneration hat sich von der Gemeinde losgesagt. [7]

Auch aus Kaltbrunn berichten betroffene Frauen und Männer von Gewalt in dieser Schule. Ein früherer Internatsleiter aus Kaltbrunn, heute wohnhaft in Rumänien, ist auch eine wichtige Person im Podcast „Seelenfänger – Holy Hell“. [1] Seine Frau bestätigt und bereut die auch von ihr an Kindern ausgeübte Gewalt in der SRF-Doku. [5] Ihr ehemaliger Mann beantwortet Presseanfragen nicht oder ausweichend. [1]

Im Februar 2026 berichtete das St. Galler Tagblatt, dass die Ermittlungen gegen die Schule wegen Verjährung eingestellt worden sind. Für Details zum Schweizer Verjährungsrecht lesen Sie bitte den unten verlinkten Original-Artikel. [7]

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Anfang 2026 erscheint ein Video auf X, in dem eine Frau in einem Livestream einen Prediger bei einem Kwa Sizabantu-Gottesdienst unterbricht und Vorwürfe sexualisierter Gewalt erhebt. [1] Ein hochrangiger Priester von Kwa Sizabantu antwortet laut Podcast-Redaktion darauf, die Frau sei von bösen Geistern besessen. [1]

Quellen:

[1] Podcast-Reihe „Seelenfänger – Holy Hell“ vom Bayerischen Rundfunk über die Gruppierung Kwa Sizabantu, veröffentlicht im Juni 2026 [Link zum Web-Archiv], abgerufen am 1.7.2026

[2] Infoportal-Artikel „Kwa Sizabantu: Ermittlungen in Südafrika“, veröffentlicht am 9.3.2021 [Link zum Webarchiv], abgerufen am 1.7.2026

[3] Infoportal-Artikel „Kwa Sizabantu: Neuer Untersuchungsbericht aus der Schweiz und Vernetzung von Betroffenen“, veröffentlicht am 26.7.2022 [Link zum Webarchiv], abgerufen am 1.7.2026

[4] Zur Schreibweise: Wir verwenden mal die Schreibweise mit Leertaste (Kwa Sizabantu) und mal ohne (Kwasizabantu oder KwaSizabantu), weil beide Schreibweisen auch in offiziellen Dokumenten existieren und wir sicherstellen wollen, dass Suchmaschinen den Begriff bei uns finden können.

[5] Schweizer Fernsehen, Dokumentation, „Die evangelikale Welt der Läderachs – Züchtigung im Namen Gottes“ , [Link zum Webarchiv] abgerufen am 1.7.2026. Die Dokumentation ist teilweise in Schweizerdeutsch, aber die Kommentartexte sind hochdeutsch und die Original-Aussagen sind teilweise gut verständlich.

[6] Englischer Artikel auf news24.com vom 14.10.2020: „CRL Commission’s probe into KwaSizabantu resumes in Gauteng“ („Die Untersuchungen der CRL Kommission zu KwaSizabantu in Gauteng (südafrikanische Provinz) werden aufgenommen“), abgerufen am 3.7.2026 [Link zum Web-Archiv]

[7] Der Artikel aus dem St. Galler Tagblatt vom 19.2.2026 mit dem Titel „Juristisch lässt sich nichts mehr machen: Staatsanwaltschaft stellt Missbrauchsverfahren ein“ ist als PDF nachzulesen auf der Website ksb-alert, die von Aussteiger*innen von Kwa Sizabantu verantwortet wird. [Link zum Webarchiv]