Kidwelly/Wales – Sektenführer und Helferinnen verurteilt

Im März 2011 wurden vier Erwachsene aus Wales, Großbritannien (ein Mann und 3 Frauen) verurteilt wegen jahrelanger sexualisierter Gewalt an Jungen und Mädchen. Das Gericht stellte fest, dass der Haupttäter der Leiter eines satanistischen Kultes war und die Kinder in diesem Rahmen manipuliert und eingeschüchtert hat.

Tatzeit von:


1. Januar 1990
(geschätzt nach Quellenlage)

Tatzeit bis:


31. Dezember 2010
(geschätzt nach Quellenlage)

Urteil/Anlass Datum:


11. März 2011

Stadt:


Kidwelly

Bundesland/Landstrich:


Wales

Land:


Großbritannien (GB, UK)

Ist Rituelle Gewalt im Ausland strafbar?


Im März 2011 erhielten die vier Erwachsenen Haftstrafen zwischen fünf und zwölf Jahren. Der 48 Jahre alte Kultführer hat nach Ansicht des Gerichtes über 30 Jahre lang Kinder und Jugendliche sexualisiert misshandelt, vergewaltigt und für Geld an andere Täter vermittelt. [1]

Dem Kultführer wurden 35 Taten nachgewiesen, die er sowohl an Jungen als auch an Mädchen begangen hat. Die drei verurteilten Frauen, eine davon seine Ehefrau, wohnten gemeinsam mit ihm in einer Sackgasse in Kidwelly/Wales. Dort fanden auch die meisten Kultaktivitäten statt. Neben den sexualisierten Gewalttaten stellte der Richter in seinem Urteil auch ausdrücklich fest, dass die Kinder einer Gehirnwäsche unterzogen worden seien. Die Verurteilten stritten Kultaktivitäten ab. [1] Die Jury blieb aber bei ihrer Auffassung, dass es den Kult gegeben habe. [2]

Zusätzlich wurde in dem Verfahren ein weiterer Mann wegen sexualisierter Straftaten verurteilt, der aber nicht zu der Kultgruppe gehört haben soll. [1]

Quellen:
[1] BBC-Online-Bericht vom 9.3.2011,  „Kidwelly sex cult members face long jail sentences“, abgerufen am 8.5.2011
[
2] BBC-Online-Bericht vom 11.3.2011, „Kidwelly sex cult leader Colin Batley may never be free“, abgerufen am 8.5.2011


Warum werden die Täter/innen selten gefasst und verurteilt?


Die BBC veröffentlichte 2011 einen Artikel mit einer Beschreibung des Ortes Kidwelly, wie er immer wieder in solchen Fällen zu lesen ist.

Saubere Straßen, unauffällige Häuser, ein geordnetes soziales Leben in der Gemeinde, wo hinter verschlossenen Türen grausame Verbrechen stattgefunden haben. Und viele Aussagen von Nachbar/innen, Bürgermeister/innen und anderen Verantwortlichen, die es nicht fassen können, dass so etwas in ihrer Nachbarschaft geschehen ist. [1]

Ob wirklich niemand etwas bemerken konnte oder bemerkt hat, ob bewußt verdrängt oder weggeschaut wurde oder ob die Menschen viel wissen, aus Selbstschutz aber nichts sagen, bleibt bei so einer Berichterstattung offen.

Quellen:
[1] BBC-Online-Artikel vom 9.3.2011, „Town unaware of ‚evil paedophile‘ „, abgerufen am 9.5.2017


Sind Kinder an Ritueller Gewalt beteiligt?


Über die beteiligten Jungen und Mädchen wurde in der britischen Presse wenig berichtet. Eines der Opfer hat allerdings 2015 ein Buch veröffentlicht.

Das Buch heißt „The Devil on the Doorstep: My Escape from a Satanic Cult“, die Autorin nennt sich „Annabelle Forest“. [1] Das Buch liegt uns nicht vor.

Laut einem Artikel in der Zeitung Daily Mail beschreibt die Autorin, dass sie dem Kult im Alter von 7 Jahren ausgesetzt war, mit 11 vom Kultführer vergewaltigt wurde und mit 14 Jahren zu sexuellen Handlungen mit ihrer Mutter und anderen Kultmitgliedern gezwungen wurde. Sie sei auch zwangsprostituiert worden, um Geld für den Kult zu beschaffen. Mit 17 habe sie ein Kind vom Freund ihrer Mutter bekommen und sei geflohen. [1]

Quellen:
[1] Online-Artikel der Daily Mail vom 24.2.2015,  „House of Horrors“, abgerufen am 8.5.2017


Woher kommen diese Kinder?


Über die Herkunft der Kinder, die in diesem Kult misshandelt wurden, ist wenig bekannt. Eines der Opfer beschrieb in einer Autobiographie 2015, dass ihre Mutter und ihr Stiefvater Mitglied in dieser Gruppe waren. [1]

Quellen:
[1] Online-Artikel der Daily Mail vom 24.2.2015,  „House of Horrors“, abgerufen am 8.5.2017


Welche Rolle spielt sexualisierte Gewalt?


Die Täter/innen hätten sich auf das „Liber al vel Legis“ von Aleister Crowley bezogen. Man habe den Kindern erklärt, Sex sei nötig, um ihrem Gott [2] zu huldigen.

Die Autor/innen der englischsprachigen Wikipedia schreiben (Stand März 2017), die Täter/innen seien keine Satanisten gewesen, sondern wären der Lehre der „freien Sexualität“ von Aleister Crowley gefolgt. Damit drücken die Wikipedia-Autor/innen aus, dass es sich in Kidwelly nicht um Rituelle Gewalt gehandelt habe. Als Beleg führen sie unter anderem die Autorin Jean La Fontaine an, die festgestellt habe, dass die sexualisierten Straftaten in Kidwelly nicht im Rahmen von religiösen Ritualen, sondern z.B. im privaten Wohnwagen des Kultführers stattgefunden hätten. [3]

Wir als Redaktion des Infoportals Rituelle Gewalt finden diese Definition sehr akademisch. Nachgewiesen und verurteilt sind in Kidwelly lang anhaltende sexualisierte Straftaten gegen Kinder, und das Machtsystem des Anführers speiste sich aus den Lehren eines der führenden Satanisten, Aleister Crowley [4]. Damit sind nach unserer Definition die Kriterien für Rituelle Gewalt erfüllt. Wir folgen damit der Ansicht, die nach Presseberichten auch das walisische Gericht und die Jury vertreten haben. [5]

Quellen:
[1] Online-Artikel der Daily Mail vom 24.2.2015,  „House of Horrors“, abgerufen am 8.5.2017.
[2] Das Wort „Gott“ verwendet in diesem Fall die Daily Mail. (siehe [1])
[3] Artikel auf Wikipedia.org, „List of satanic ritual abuse allegations“, abgerufen am 9.5.2017
[4] Die Diskussionen um Aleister Crowley und seine Lehren werden anderswo geführt und werden bei uns nicht weiter dargestellt. Wer sich dafür interessiert, wird leicht auf anderen Internetseiten oder in Büchern fündig. Belegt sind seine starken Einflüsse auf verschiedene satanistische Gruppierungen, Abspaltungen und Lehren sowie die Verwendung seiner Bücher und Lehrsätze im Zusammenhang mit Gewalttaten.
[5] BBC-Online-Bericht vom 11.3.2011, „Kidwelly sex cult leader Colin Batley may never be free“, abgerufen am 8.5.2011

 


Wer sind die Täter/innen?


Ein ermittelnder Polizist wurde von der BBC zitiert, es habe sich um einen „systematische und langanhaltende Misshandlung von Kindern mit einer begrenzten Anzahl von Tätern“ gehandelt. [1] Beteiligt am Missbrauch waren teilweise die Eltern der misshandelten Kinder. [2]

Quellen:
[1] BBC-Online-Bericht vom 9.3.2011,  „Kidwelly sex cult members face long jail sentences“, abgerufen am 8.5.2011
[2] Online-Artikel der Daily Mail vom 24.2.2015,  „House of Horrors“, abgerufen am 8.5.2017.


Psychologische / medizinische Hintergründe


In einer 2015 veröffentlichten Autobiographie berichtet eines der Opfer dieser Gruppe, wie stark der Einfluss des Kultführers gewesen sei. [1]

Die Daily Mail zitiert die junge Frau mit den Worten:

„Er wusste, wie er Dich manipuliert, wie er Dich zwingt, dass Du alles glaubst, was er sagt. Wir durften ihm nicht mal in die Augen schauen. er regierte unsere kleine Gemeinschaft mit einem eisernen Willen und brachte alle dazu, zu tun, was er wollte, um die Götter nicht zu verärgern. [2]“ [1]

Die Autorin schreibt, dass sie sich im Alter von 14 Jahren habe das Leben nehmen wollen, nachdem ihre eigene Mutter sie in der Kultgruppe misshandelt hatte. [1]

2011 befragte die BBC zu dem Fall den damaligen Gerneralsekretär des Cult Information Centre, Ian Haworth, der beschrieb, welche Parallelen zu anderen Fällen er in Kidwelly beobachtet habe. Er sagte, dass er ähnliche Berichte seit über 30 Jahren hört. Seiner Aussage nach gehören Nahrungs- und Schlafentzug zu den gängigen Methoden von Kultführer/innen, um ihre Anhänger/innen zu brechen. Ein Zusammenbruch sei manchmal schon nach drei bis vier Tagen der Fall und wirke insbesondere bei Menschen mit an sich sehr gesunder Psyche. Es seien nicht die bereits belasteten Menschen, die gefährdet seien, in die Fänge von Macht-und-Gewalt-Täter/innen zu geraten. In Großbritannien gebe es zwischen 500 und 1000 Kultgruppen, sagte Haworth weiter. Und wer unter ihren Einfluss geraten sei, werbe oft die nächsten Mitglieder an. [3]

Quellen:
[1] Online-Artikel der Daily Mail vom 24.2.2015,  „House of Horrors“, abgerufen am 8.5.2017.
[2] Das Wort „Götter“ verwendet in diesem Fall die Daily Mail. (siehe [1]) Übersetzung: Claudia Fischer, Infoportal Rituelle Gewalt.
[3] BBC-Online-Artikel vom 9.3.2011, „Sex abuse cult had ‚classic traits‘ says expert“, abgerufen am 9.5.2017


Religiöse und Ideologische Hintergründe


Ein Opfer dieses Kultes beschrieb in einem 2015 veröffentlichten Buch, dass der Kultführer Roben getragen und kultische Gesänge angestimmt habe, bevor die Gruppe gemeinsam Sex hatte, auch mit Kindern. [1]

Man habe sich insbesondere Sonntagsabends getroffen in seinem Haus. Dort seien Schlangen neben einer Art Altar aufbewahrt worden. [1]

Die Täter/innen hätten sich auf das „Liber al vel Legis“ von Aleister Crowley bezogen. Man habe den Kindern erklärt, Sex sei nötig, um ihrem Gott [2] zu huldigen.

Die Autor/innen der englischsprachigen Wikipedia bezweifeln, dass die sexualisierten Straftaten in diesem Fall etwas mit der religiösen Ausrichtung der Täter/innen zu tun gehabt hätten. Wir sehen das anders. (Siehe Rubrik „Welche Rolle spielt sexualisierte Gewalt?“)

Quellen:
[1] Online-Artikel der Daily Mail vom 24.2.2015,  „House of Horrors“, abgerufen am 8.5.2017.
[2] Das Wort „Gott“ verwendet in diesem Fall die Daily Mail. (siehe [1])

 


Mediale Einflüsse und Folgen


Eines der Opfer berichtete in einem 2015 veröffentlichten Buch, dass sie ab ihrem 7. Lebensjahr sexuell mißhandelt wurde und auch ein Kind im Rahmen der Kult-Gruppe bekommen hat. [1]

Das Buch heißt „The Devil on the Doorstep: My Escape from a Satanic Cult“, die Autorin nennt sich „Annabelle Forest“. [1]

Quellen:
[1] Online-Artikel der Daily Mail vom 24.2.2015,  „House of Horrors“, abgerufen am 8.5.2017.