Höxter-Bosseborn – Sadistisches Paar tötet mindestens zwei Frauen

Im Frühjahr 2017 stehen ein Mann und eine Frau mittleren Alters vor Gericht in Paderborn, weil sie Frauen in ihr Haus gelockt und dort gefoltert haben sollen, so der Vorwurf der Anklage. Zwei Frauen starben. Der „Fall Höxter-Bosseborn“, der im Frühjahr 2016 ans Tageslicht kam und hohe mediale Aufmerksamkeit fand, weist bislang keine religiösen oder ideologischen Motive auf (Der Prozess läuft noch, Stand Mai 2017). Dennoch lohnt es sich, sich mit diesem Fall näher zu beschäftigen, denn er gibt Antworten auch auf die in unserem Portal gestellten Fragen.

Dieser Fall beweist,

  • dass es extrem sadistische sexualisierte und nicht-sexualisierte Gewalt und Folter auch in Deutschland gibt,
  • wie planvoll und langfristig Täter/innen vorgehen und
  • dass Ermittlungsbehörden und Nachbarn nicht zwangsläufig misstrauisch werden müssen und handeln. [1] Dabei hatten das Täter-Duo und seine Opfer sogar mehrfach direkten Kontakt mit der Polizei (s.u.).
  • Die Beamten griffen nach eigener Angabe nicht ein, weil entweder keine Straftaten erkennbar waren oder in einem Fall sogar das Opfer selbst nicht um Hilfe bat. Ein Zeichen dafür, wie eingeschüchtert, beschämt und manipuliert Gewaltopfer sein können.

Was war passiert?

Angelika W. und Wilfried W. werden beschuldigt, zwei Frauen getötet zu haben. Nach Presseberichten fielen sie auf, als sie eine der inzwischen verstorbenen Frauen nach Hause bringen wollten. Als sie eine Autopanne hatten und die Frau drohte zu sterben, da riefen die beiden mutmaßlichen Täter einen Krankenwagen. Ihr Opfer war so schwer verletzt, dass das Krankenhaus die Polizei alarmierte. [2]

Nach ihrer Verhaftung gestand Angelika W. einen weiteren Mord und erzählte, wie es zu den Todesfällen kam. Ihrer Aussage nach (und inzwischen fanden sich Zeuginnen, die das Vorgehen bestätigten) soll Wilfried W. über Jahre hinweg immer wieder Kontaktanzeigen aufgegeben und die Frauen, die sich meldeten, in sein Haus gelockt haben. Dort sollen er und seine Komplizin manche der Frauen systematisch misshandelt und gefoltert, von ihnen Geld erpresst und sie unter Druck gesetzt haben. Einige wurden wieder frei gelassen, mindestens zwei aber sind aufgrund der Misshandlungen gestorben, gab die Polizei bekannt. [3]

Die Leiche der ersten Frau soll das Täter-Paar laut Angelika W.s Aussage tiefgefroren, zerstückelt, im Hausofen verbrannt und die Asche am Straßenrand entsorgt haben. [2] Das Haus, der Tatort, steht in einem kleinen Dorf in einem eng bebauten Wohngebiet – die Nachbar/innen nahmen trotz einiger Beobachtungen keinen Kontakt zur Polizei auf. [1]

Warum werden Täter/innen selten gefasst und verurteilt?

Insgesamt drei Mal, so veröffentlichte die Polizei, hätten die beiden mutmaßlichen Täter/innen während der vergangenen Jahre Kontakt zur Polizei gehabt. Einmal wurde ein Streifenwagen gerufen, nachdem sie mit einem ihrer Opfer auf einem Supermarkt-Parkplatz in Streit gerieten – die Beamten schlichteten den Streit und fuhren wieder weg. Schließlich handelte es sich um einen privaten Konflikt und es lag kein Hinweis auf eine Straftat vor. [4]

Eine zweite Gelegenheit bot sich, als Passant/innen die Polizei anriefen, weil ihnen an einer Waschstrasse in Bad Salzuflen eine verletzte Frau auf der Rückbank der mutmaßlichen Täter/innen aufgefallen war. Die Beamten kamen, aber da die Verletzte nicht um Hilfe bat, rückten die Beamten wieder ab, gaben sie später zu Protokoll. [4]

Ein anderes Mal betrat die mutmaßliche Täterin Angelika W. eine Polizeistation in Uslar, um sich ein Schreiben beglaubigen zu lassen, in dem eines ihrer Opfer eine Einverständniserklärung unterschrieben hatte – die Beamten erklärten sich aber für nicht zuständig für so eine private Beglaubigung, ohne das Schreiben überhaupt zu lesen. Sonst hätten sie vielleicht misstrauisch werden können. [5]

Weitere Opfer des mutmaßlichen Täter-Paares meldeten sich bei der Polizei, als die Medien berichteten. [2] Sie waren Zeuginnen im Prozess vor dem Landgericht Paderborn (Prozess ist noch nicht abgeschlossen, Stand Mai 2017).

Mediale Einflüsse und Folgen

Randnotiz: Ende April 2016 wurde der Fall bekannt. Drei Wochen später wurden erste Teile des Geständnisses von Angelika W. öffentlich bekannt – und sofort erschien eine Kurzmeldung über zwei Fernseh-Produzenten, die die Geschichte der mutmaßlichen Täterin Angelika W. unter dem Titel „Die Hörige“ verfilmen wollten. Es wird also wohl mindestens ein mediales Nachspiel geben… [6]

Quellen:
[1] Zeitungsartikel Neue Westfälische vom 14.11.2016, „Nachbarn reagierten nicht“, abgerufen am 12.5.2017
[2] Zeitungsartikel Westfalen-Blatt vom 3.5.2016, „Ermittler geben auf Pressekonferenz grausame Details bekannt“, abgerufen am 12.5.2017
[3] Artikel bei Spiegel Online vom 7.5.2016, „Polizei findet Abschiedsbriefe“, abgerufen am 12.5.2017
[4] Zeitungsartikel Westfalen-Blatt vom 7.6.2016, „Polizei kontrollierte zweimal“, abgerufen am 12.5.2017
[5] Online-Artikel auf ntv.de vom 25.5.2016, „Anwalt beklagt Polizeipanne“, abgerufen am 12.5.2017
[6] Zeitungsartikel Neue Westfälische vom 18.5.2016, „Foltermord von Höxter soll verfilmt werden“, abgerufen am 12.5.2017